Dieses Olivenöl aus dem Supermarkt gewann den Geschmackstest – beliebt, aber mit einem Haken

Hervorragender Geschmack, aber Fragezeichen bei Zusammensetzung und Preis

Ein französisches Verbrauchermagazin hat zweiundzwanzig extra native Olivenöle aus dem normalen Handel unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse waren überraschend – auf dem ersten Platz landete ein Öl, das man kaum als alltägliches Produkt bezeichnen kann. Experten loben es nahezu vorbehaltlos, doch der abschließende Bericht hält auch einige unangenehme Erkenntnisse bereit.

So lief der Olivenöl-Test im Supermarkt ab

Die Redaktion testete eine breite Palette von Produkten – von Eigenmarken der Handelsketten über bekannte Labels bis hin zu Premiumölen. Alle Flaschen trugen die Bezeichnung extra natives Olivenöl, also die höchste Qualitätsstufe nach europäischen Vorschriften. Das bedeutet: Das Fett entstand ohne Chemie, durch mechanisches Pressen bei streng kontrollierter Temperatur und mit einem niedrigen Säuregehalt.

Auf dem Papier erfüllte jedes getestete Öl die vergleichsweise strengen Normen. Die echten Unterschiede zeigten sich jedoch erst bei der genauen Analyse. Der Test stützte sich auf drei Säulen: das Fettsäureprofil, den Gehalt an Verunreinigungen sowie die sensorische Bewertung durch ein spezialisiertes Degustatorenpanel.

Die Fachleute beachteten vor allem den Anteil gesunder einfach ungesättigter Fettsäuren sowie das Vorhandensein unerwünschter Stoffe, darunter Rückstände von Weichmachern. Das Verkostungspanel beurteilte die Intensität von Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe sowie deren gegenseitige Balance. Auf Basis all dieser Kriterien erhielt jedes Produkt eine Gesamtnote.

Drei Olivenöle an der Spitze der Rangliste

In der Gesamtwertung setzten sich drei Produkte deutlich ab. Zwei davon waren ökologische französische Öle aus dem höheren Preissegment – konkret Costa d’Oro La Riserva biologica und das französische Öl Puget. Laut dem Bericht sind diese beiden Varianten inzwischen jedoch aus dem regulären Verkauf verschwunden.

Ihren Platz an der Spitze übernahm das dritte Öl, das zum eigentlichen Star des gesamten Tests wurde. Das Magazin bezeichnete es als außergewöhnlich – nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und des Terroirs. Die Ergebnisse zeigten klar, dass das Premiumsegment tatsächlich etwas anderes zu bieten hat als gewöhnliche Supermarktöle.

Die Experten betonten dabei, dass es sich um keinen Marketingtrick handelt. Chemische Analysen bestätigten die Unterschiede im Fettsäureprofil, und die Verkoster registrierten eine deutlich höhere Aromaintensität. Für gewöhnliche Verbraucher ist das ein klares Signal: Manchmal lohnt es sich, zur teureren Variante zu greifen, wenn man ein authentisches Erlebnis sucht.

H de Leos fruité vert – das Öl, das die Tester als außergewöhnlich einstuften

Die höchste Bewertung erhielt das Öl mit dem Namen H de Leos fruité vert. Es handelt sich um ein Produkt aus der Provence, aus einem Olivenhain, der einem berühmten französischen Künstler gehört. Es zeichnet sich durch ein sogenanntes grünes Geschmacksprofil aus – intensiv fruchtig, mit ausgeprägter Bitterkeit und einem charakteristischen Brennen im Hals.

Das Verkostungspanel vergab ihm zwei von drei möglichen Punkten in der sensorischen Kategorie. Die Tester stellten fest, dass Bitterkeit und Schärfe gut ausbalanciert sind und das Gesamtbild harmonisch wirkt. Auch die Analyse des Fettsäureprofils fiel ausgezeichnet aus.

Der Bericht beschreibt H de Leos fruité vert eher als Öl für anspruchsvolle Feinschmecker denn als universelles Küchenfett. In der Praxis eignet es sich am besten für folgende Verwendungen:

  • Salate aus frischem Gemüse mit Rucola und Tomaten
  • Beträufeln fertiger Gerichte – gegrilltes Gemüse, Fisch oder Steaks
  • Geschmacksverstärkung einfacher Vorspeisen wie Bruschetta, Brot oder Käse
  • Finishing-Touch bei mediterranen Spezialitäten mit Mozzarella oder Parmesan
  • Abrunden von Hummus oder kalten Suppen wie Gazpacho

Das Magazin empfiehlt, dieses Öl ausschließlich kalt zu verwenden, damit sein Aroma vollständig zur Geltung kommt. Beim Braten oder Kochen würden seine spezifischen Eigenschaften verloren gehen – und angesichts des Preises wäre das wirklich schade.

Ein Preis wie bei Luxusgütern, nicht wie bei einer gewöhnlichen Flasche aus dem Regal

Der größte Nachteil des Siegers ist sein Preis. Für eine halblitrische Flasche H de Leos fruité vert zahlt man rund 29,60 Euro, was auf den Liter umgerechnet fast 60 Euro ergibt. Das ist ein Preisniveau, das eher dem Wein vorbehalten ist als einem alltäglichen Bratöl.

Zum Vergleich: Ein handelsübliches extra natives Olivenöl im Supermarkt ist oft um ein Vielfaches günstiger. Wer zu einer solchen provenzalischen Flasche greift, weiß wahrscheinlich genau, wofür er bezahlt – für Terroir, Handlese der Früchte, limitierte Produktion und die Geschichte eines bestimmten Gehöfts.

Der Bericht macht daher deutlich, dass dieses Öl keinen normalen Bratfettbedarf ersetzt. Es ähnelt eher hochwertigem Gewürz – etwas, womit man ein Gericht kurz vor dem Servieren verfeinert, anstatt ein klassisches Dressing oder eine Sauce zu verwenden.

Weichmacher in Olivenöl – woher kommen sie und was bedeuten sie?

Der interessanteste, aber zugleich beunruhigendste Teil des Berichts betrifft das spurenhafte Vorhandensein von Weichmachern im Siegeröl. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die Kunststoffen zur Erhöhung ihrer Flexibilität und Haltbarkeit zugesetzt werden. In Lebensmittel gelangen sie am häufigsten aus Verpackungen oder Bestandteilen von Produktionsanlagen.

Das Magazin vergab zwar hohe Bewertungen für Geschmack und Fettprofil an H de Leos fruité vert, vermerkte jedoch gleichzeitig das Vorhandensein von Weichmacherrückständen in den getesteten Proben. Der Redaktion zufolge überschritt die Menge dieser Stoffe nicht die geltenden Sicherheitsgrenzwerte. Dennoch löste der Fund in einem Luxusprodukt unter französischen Lesern eine ausgedehnte Diskussion aus.

Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Kontakt mit Kunststoff während Produktion und Vertrieb heute praktisch unvermeidbar ist. Entscheidend ist es, diese Werte so niedrig wie möglich zu halten. So lässt sich der Kontakt von Olivenöl mit Plastik reduzieren:

  • Wählen Sie Öl in Glasflaschen, am besten in dunklen
  • Meiden Sie Produkte, die in weichen Plastikkanistern verkauft werden
  • Lagern Sie Öl fernab von Wärmequellen – das verlangsamt die Migration von Stoffen aus der Verpackung
  • Bewahren Sie geöffnetes Öl nicht monatelang auf – kaufen Sie lieber eine kleinere Flasche und verbrauchen Sie diese schneller
  • Achten Sie auf das Ernte- oder Pressdatum, nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Bevorzugen Sie Hersteller, die transparente Informationen über Verpackung und Transport bereitstellen

Was der französische Test deutschen Verbrauchern beibringen kann

Obwohl die Rangliste auf Basis von Produkten aus französischen Geschäften erstellt wurde, lassen sich die Schlussfolgerungen problemlos auf den deutschen Markt übertragen. Der höchste Preis garantiert nicht automatisch eine einwandfreie Zusammensetzung, und ein günstigeres Öl bedeutet nicht zwangsläufig schlechten Geschmack. Es lohnt sich, auf Verpackungsart, Herkunft der Früchte und Produktionsweise zu achten.

Öle mit grünem Profil, wie der Sieger des französischen Tests, sind aromatischer mit ausgeprägter Bitterkeit und Brennen im Hals. Sie passen hervorragend zu Salaten mit Tomaten, Rucola oder gegrilltem Gemüse. Für einen Teil der Menschen können sie jedoch zu intensiv für das tägliche Braten oder für zarte Kindermahlzeiten sein.

Mildere Allzwecköle funktionieren in der heimischen Küche besser als grundlegendes Bratfett. Jene aus dem höheren Preissegment sollte man als Spezialprodukt betrachten – stellen Sie sie neben hochwertiges Flockensalz oder Balsamicoessig auf den Tisch. Ernährungstherapeuten empfehlen, beide Typen zu Hause vorrätig zu haben: eines für die Wärmebehandlung, das andere für kalte Gerichte.

Wie man ein gutes Olivenöl im deutschen Handel auswählt

Die Erkenntnisse aus dem französischen Test lassen sich leicht in praktische Tipps für den Einkauf umwandeln. Achten Sie auf die Bezeichnung extra nativ sowie auf das Ernte- oder Pressdatum – nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Diese Angaben verraten weitaus mehr über die Frische als allgemeine Etiketteninformationen.

Setzen Sie auf dunkle Glasflaschen, besonders wenn das Öl längere Zeit in der Küche stehen soll. Licht und Wärme beschleunigen die Oxidation und verschlechtern die Qualität. Lesen Sie das Kleingedruckte – Angaben zum Ursprungsland der Oliven und zum Pressort sagen mehr aus als die Vorderseite des Etiketts mit sonnigen Mittelmeerbildern.

Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf das Bio-Marketing. In sensorischen Tests gewinnen ökologische Varianten nicht immer. Kaufen Sie lieber kleinere Verpackungen und verbrauchen Sie das Öl innerhalb weniger Monate nach dem Öffnen. Ein großer Kanister mag wirtschaftlich erscheinen, doch die Qualität nimmt mit jedem Tag nach dem Öffnen ab.

Das französische Magazin testete reale Regalprodukte – keine bloßen Herstelleraussagen. Eine solche Praxis setzt Marken unter Druck, nicht nur auf Geschmack, sondern auch auf Verpackungs- und Transportweise zu achten. Ähnliche unabhängige Tests sollten auch auf dem deutschen Markt häufiger erscheinen – nicht nur bei Olivenöl, sondern auch bei anderen pflanzlichen Fetten. Die bewusste Entscheidung zwischen einer günstigen Bratflasche und einer teureren Salatöl-Variante hört dann auf, einem Glücksspiel zu ähneln, und wird zu einer durchdachten, datengestützten Wahl.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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