Dieses Gerät verschlingt Strom direkt nach der Heizung. Die Winterrechnung steigt still

Der unsichtbare Stromfresser im Haushalt

Sobald die Temperaturen sinken, richten wir unseren Blick misstrauisch auf die Heizkörper. Doch der eigentliche Stromräuber arbeitet still daneben – kaum beachtet und selten verdächtig.

Er steht nicht im Wohnzimmer, leuchtet nicht wie ein Fernseher und brummt nicht wie ein Kühlschrank. Trotzdem verbraucht dieses Gerät so viel Energie, dass es in der Stromrechnung direkt hinter der elektrischen Heizung landet. Im Winter steigt sein Appetit noch deutlich an.

Was kostet das Heizen wirklich?

In elektrisch beheizten Haushalten haben Heizkörper den größten Anteil am Gesamtstromverbrauch. Schätzungen europäischer Energieinstitutionen zeigen, dass ein typisches Einfamilienhaus mit Elektroheizung jährlich über 4.000 kWh allein für die Wärmeversorgung benötigt. Bei heutigen Preisen entspricht das mehreren Hundert Euro im Jahr.

In Wohnungen ist das Ausmaß geringer, die Verhältnisse bleiben aber ähnlich. Die Elektroheizung ist eindeutig der größte Kostenpunkt in der Heizsaison. Doch direkt dahinter verbirgt sich ein weniger offensichtlicher, aber enorm energiehungriger Verbraucher: der elektrische Warmwasserbereiter.

Die Rangliste der Stromfresser im Haushalt

Viele vermuten die Küche als größten Energieschlucker – doch die Zahlen erzählen eine etwas andere Geschichte. Küchengeräte ziehen zwar viel Leistung, werden aber in der Regel nur für kurze Zeiträume genutzt.

Ein Glaskeramikkochfeld, das etwa viermal wöchentlich genutzt wird, verbraucht über 150 kWh pro Jahr. Ein Elektrobackofen beim regelmäßigen Backen kommt auf rund 140 bis 150 kWh jährlich. Ein Kühlschrank mit Gefrierkombi schlägt im Schnitt mit über 300 kWh zu Buche – er läuft schließlich rund um die Uhr. Eine separate Tiefkühltruhe verbraucht ebenfalls etwa 300 kWh, eine Geschirrspülmaschine in Familiengröße bei üblicher Nutzung rund 200 kWh im Jahr.

Auf dem Papier klingt das bedrohlich. Aber die meisten dieser Geräte arbeiten zyklisch oder nur für begrenzte Zeit. Ihr Anteil an der Gesamtrechnung bleibt daher kleiner als der der beiden Hauptverursacher – Heizung und Warmwasserbereitung.

Strom durch Elektronik und Internet

Auch elektronische Geräte tragen zur Rechnung bei, besonders jene, die viele Stunden täglich in Betrieb sind. Ein Fernseher, der täglich etwa sieben Stunden läuft, erreicht im Jahresverlauf fast 190 kWh. Router und Modem, die praktisch nie abgeschaltet werden, kommen zusammen auf knapp 100 kWh jährlich. Ein Desktop-Computer bei täglicher Nutzung über mehrere Stunden überschreitet 120 kWh pro Jahr.

Jedes dieser Geräte für sich ist keine Katastrophe. Gemeinsam bilden sie jedoch einen dauerhaften Grundverbrauch, der sich nicht ignorieren lässt. Energieforscher weisen darauf hin, dass diese Summe kleiner Verbraucher bis zu einem Fünftel der Gesamtrechnung ausmachen kann.

Der größte Stromverbraucher nach der Heizung: der Warmwasserbereiter

Die eigentliche Überraschung wartet meist im Badezimmer oder im Technikraum. Der elektrische Warmwasserbereiter – häufig als großer Boiler ausgeführt – erzeugt den zweithöchsten Einzelposten im häuslichen Stromverbrauch.

Bei einem typischen Boiler mit einem Fassungsvermögen von rund 200 Litern kann der jährliche Energieverbrauch bis zu etwa 1.700 kWh erreichen. Umgerechnet auf aktuelle Energiepreise ergibt das mehrere Hundert Euro pro Jahr – eine Summe, die durchaus mit der Heizrechnung einer kleineren Wohnung vergleichbar ist. Der elektrische Warmwasserbereiter kann im Jahr fast halb so viel verbrauchen wie die gesamte Hausheizung – und die meisten Menschen sind sich dessen überhaupt nicht bewusst.

Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärken. Das Wasser muss rund um die Uhr auf hoher Temperatur gehalten werden. Der Boiler gibt Wärme an die Umgebung ab – je schlechter die Dämmung, desto größer die Verluste. Der Thermostat ist oft höher eingestellt als nötig. Im Winter ist das einströmende Kaltwasser kälter, sodass das Gerät länger und häufiger arbeitet. Und wenn es draußen kalt ist, gönnen wir uns bereitwilliger eine lange heiße Dusche oder ein ausgedehntes Bad.

Fachleute schätzen, dass bis zu ein Drittel der für die Warmwasserbereitung aufgewendeten Energie schlicht verschwendet wird – durch zu hohe Temperaturen, unzureichende Dämmung des Boilers und Wärmeverluste in den Leitungen. Studien deutscher und österreichischer Energieagenturen bestätigen, dass die Warmwasserbereitung ein häufig unterschätzter, aber entscheidender Faktor im Haushaltsstromverbrauch ist.

Warum der Winter den Warmwasserbereiter stärker belastet

In den kälteren Monaten arbeitet das Gerät unter schwierigeren Bedingungen. Der Temperaturunterschied zwischen dem Inneren des Boilers und der Umgebung wächst, sodass Wärme schneller entweicht. Gleichzeitig muss das kalte Leitungswasser auf dieselbe Zieltemperatur wie im Sommer gebracht werden – was mehr Energie erfordert.

Hinzu kommen veränderte Gewohnheiten der Bewohner. Bei Regen und Wind verlängern viele ihr Duschen oder entscheiden sich häufiger für ein Bad. Für den Warmwasserbereiter bedeutet das zusätzliche Betriebszyklen und weitere Kilowattstunden. Der Winter verschärft die Situation zusätzlich, weil das eintretende Kaltwasser manchmal nur etwa fünf Grad Celsius warm ist – im Vergleich zu rund fünfzehn Grad im Sommer.

Die Wintermonate zwingen den Warmwasserbereiter, länger, häufiger und unter höherer Last zu arbeiten. Das schlägt sich sofort in der Rechnung nieder, obwohl wir die Schuld meist ausschließlich der Heizung geben. Forscher technischer Hochschulen weisen darauf hin, dass diese Kombination den Verbrauch des Warmwasserbereiters im Vergleich zu den Sommermonaten um bis zu dreißig Prozent steigern kann.

So senken Sie die Kosten für Warmwasser ohne Komfortverlust

Die gute Nachricht: Gerade bei diesem Gerät lässt sich vergleichsweise leicht sparen, ohne den Alltag grundlegend umzukrempeln.

Die Wassertemperatur ist der entscheidende Hebel. Viele Boiler sind ab Werk auf etwa 60 Grad Celsius oder mehr eingestellt. Aus Sicherheits- und Nutzungsperspektive reicht in den meisten Haushalten eine Einstellung zwischen 50 und 55 Grad vollkommen aus. Wer die Temperatur um einige Grad senkt, reduziert Wärmeverluste und Energieverbrauch spürbar. Unter der Dusche werden Sie den Unterschied kaum merken – auf der Stromrechnung schon.

Die Dämmung von Boiler und Leitungen bringt weitere Einsparungen. Steht der Warmwasserbereiter in einem kühlen Raum, lohnt es sich, ihn nachträglich mit einer speziellen Wärmedämmhülle zu versehen. Das ist eine einfache Maßnahme, die die Wärmeverluste begrenzt und die Kosten um mehrere Zehn Euro jährlich senken kann. Ähnlich wirken Dämmschläuche auf den wichtigsten Abschnitten der Warmwasserleitungen.

Auch ein sparsamerer Umgang mit Wasser hat großes Potenzial:

  • Perlator oder Durchflussbegrenzer an Waschbecken- und Duscharmatur
  • Duschkopf mit reduziertem Durchfluss
  • Kontrolle, ob das Wasser beim Zähneputzen unnötig läuft
  • Duschen um eine bis zwei Minuten verkürzen
  • Tropfende Wasserhähne reparieren
  • Geschirr in der Spülmaschine statt per Hand unter warmem Wasser spülen

Wer den Durchfluss drosselt, verbraucht weniger Warmwasser bei gleichem Komfort. Der Warmwasserbereiter muss seltener nachheizen. Energieberater geben an, dass die Kombination dieser Maßnahmen den Verbrauch um bis zu zwanzig Prozent senken kann.

Wartung und Betriebseinstellungen spielen ebenfalls eine Rolle. Eine regelmäßige Überprüfung durch einen Fachmann hilft, Kalkablagerungen, einen defekten Thermostat oder ein beschädigtes Heizelement rechtzeitig zu erkennen. Ablagerungen auf dem Heizelement wirken wie eine Isolierschicht – sie erschweren die Wärmeübertragung ins Wasser, sodass das Gerät mehr Energie benötigt, um dieselbe Temperatur zu erreichen.

Bei bestimmten Modellen lohnt sich der Einsatz eines Zeitprogrammiergeräts. Wenn sich der Stromtarif je nach Tageszeit unterscheidet, empfiehlt es sich, das Wasser vorwiegend in den günstigeren Stunden zu erwärmen. Einige moderne Boiler bieten zudem Sparmodi, die das Heizen automatisch an die Gewohnheiten des Haushalts anpassen.

Worauf Sie beim Haushaltsstromverbrauch noch achten sollten

Die Absenkung der Boilertemperatur und eine zusätzliche Dämmung lösen nicht alle Probleme, bilden aber einen soliden Ausgangspunkt. Es empfiehlt sich, eine einfache Prioritätenliste zu erstellen – zunächst Heizung und Warmwasserbereiter, dann erst Elektronik oder kleine Verbraucher.

Regelmäßige Rechnungsanalysen sind ebenfalls ein guter Ansatz. Wer sieht, dass der Verbrauch nach dem Austausch des Duschkopfes gesunken ist, findet leichter die Motivation für weitere Schritte – etwa den Wechsel einer alten Tiefkühltruhe gegen ein Modell mit höherer Energieeffizienzklasse. Der Vergleich der Rechnungen verschiedener Jahre zeigt, welche Maßnahmen wirklich etwas bringen.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Kombination mehrerer Lösungen. Bessere Hausdämmung, Thermostate an Heizkörpern, Durchflussbegrenzer und vernünftige Boilereinstellungen wirken gemeinsam kumulativ. Jede einzelne Änderung spart moderat – zusammen können sie das Haushaltsbudget deutlich entlasten, besonders in den kalten Monaten. Wissen Sie, wie viel Strom Ihr Warmwasserbereiter im Jahr tatsächlich verbraucht?

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

Scroll to Top