Dieses teurere Metall als Gold könnte bis 2026 vom Markt verschwinden

Ein stiller Aufstieg am Rohstoffmarkt

Auf dem Rohstoffmarkt gewinnt leise ein Metall an Bedeutung, von dem kaum jemand gehört hat – und sein Preis liegt bereits bei über 1.300 Euro pro Gramm. Es handelt sich um einen Werkstoff, der für moderne Elektronik und grüne Technologien unverzichtbar ist, dessen Vorräte jedoch so rapide schwinden, dass Analysten vor einer vollständigen Erschöpfung in den kommenden Jahren warnen.

Wenn Menschen an Edelmetalle denken, fallen ihnen meistens Gold und Silber ein. Doch es gibt eine Gruppe sogenannter Technologiemetalle, die industriell weit bedeutsamer sind als Schmuck. Eines davon ist Iridium – ein außergewöhnlich seltenes Element aus der Platingruppe, das heute rund 1.350 Euro pro Gramm kostet und damit deutlich mehr als Anlagegold.

Warum gehört Iridium zu den seltensten Metallen der Erde?

Iridium zählt zu den rarsten Metallen unseres Planeten. Schätzungen zufolge kommt es in der Erdkruste in vielfach geringeren Mengen vor als Gold. Die Gewinnung hängt vollständig von Platin- und Nickelbergwerken ab, denn niemand baut Iridium gezielt ab.

Der Markt ist so eng, dass bereits eine einzige Lieferstörung oder ein Nachfrageanstieg die Preiskurven sofort in Bewegung setzt. In den vergangenen Jahren hat die wachsende Nachfrage aus dem Technologiesektor mehrfach zu spektakulären Preissprüngen geführt.

Was macht Iridium so wertvoll?

Iridium ist kein Investment-Trend aus sozialen Netzwerken. Sein Wert ergibt sich aus sehr konkreten physikalischen und chemischen Eigenschaften. Das Metall besitzt einen der höchsten Schmelzpunkte aller bekannten Metalle, ist extrem korrosionsbeständig, behält seine Stabilität bei sehr hohen Temperaturen und eignet sich hervorragend als Kontakt- und Elektrodenmaterial.

Dank dieser Eigenschaften kommt es überall dort zum Einsatz, wo ein Versagen schlicht keine Option ist. Wissenschaftler und Ingenieure nutzen es in folgenden Bereichen:

  • Elektrische Kontakte in Geräten unter extremen Betriebsbedingungen
  • Spezialisierte Sensoren und Messgeräte
  • Bauteile in Raketen- und Flugzeugtriebwerken
  • Elektroden in Elektrolyseuren zur Produktion von grünem Wasserstoff
  • Katalysatoren in modernen chemischen Prozessen

Besonders stark wächst die Bedeutung von Iridium im Bereich Grüner Wasserstoff. In vielen Elektrolyseurtypen ist Iridium das Herzstück des Systems – ohne es funktioniert die gesamte Anlage nicht. Forscher von Universitäten weltweit, die sich mit Wasserstofftechnologien beschäftigen, bestätigen diese Tatsache.

Droht die Erschöpfung der Vorräte bis 2026?

Am Markt häufen sich Warnungen, dass bei aktuellem Verbrauchstempo das wirtschaftlich abbaubare Iridium sehr schnell zur Neige gehen könnte – möglicherweise schon um das Jahr 2026, falls die ambitionierten Pläne zur grünen Energiewende tatsächlich in die Tat umgesetzt werden.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Geologische Reserven bezeichnen, wie viel Iridium tatsächlich in der Erdkruste steckt. Wirtschaftliche Reserven beschreiben, wie viel davon mit heutiger Technologie und zu vertretbaren Kosten gewonnen werden kann. Das eigentliche Problem betrifft die zweite Kategorie.

Da Iridium fast ausschließlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelgewinnung anfällt, bleibt das Angebot streng begrenzt, solange kein Anreiz besteht, die Förderung dieser Hauptmetalle deutlich auszuweiten. Experten unter anderem von der University of Cambridge weisen auf ernste Risiken hin, die mit der Knappheit dieses strategischen Materials verbunden sind.

Preissprünge und ihre Folgen für Investoren

Die Iridiumpreise sind heute bereits hoch, doch die Geschichte zeigt: Bei begrenztem Angebot und steigender Nachfrage muss das aktuelle Niveau von 1.350 Euro pro Gramm noch längst nicht das Maximum sein. Marktanalysten skizzieren verschiedene mögliche Entwicklungsszenarien.

Das optimistische Szenario geht davon aus, dass neue Elektrolysetechnologien entstehen, die deutlich weniger Iridium benötigen oder es vollständig ersetzen – und so den Nachfragedruck mindern. Das Basisszenario rechnet mit einem kontinuierlichen Preisanstieg entsprechend den Ausbauplänen für grünen Wasserstoff. Das Schockszenario sieht einen plötzlichen Nachfragesprung vor – etwa durch ein großes staatliches Förderprogramm oder die Massenproduktion neuer Geräte – was in kurzer Zeit eine lawinenartige Preisentwicklung auslösen könnte.

Der Iridiummarkt ist so schmal, dass wenige große Industrieverträge die Notierungen auf den Kopf stellen können. Für Spekulanten mag das verlockend sein, für die Industrie bedeutet es ein ernstes Kostenrisiko. Für den durchschnittlichen Anleger ist der Einstieg in ein so nischiges Metall mit großer Unsicherheit und geringer Liquidität verbunden – Iridium bleibt primär die Domäne spezialisierter Akteure und Unternehmen, die ihre Produktionsversorgung absichern müssen.

Auswirkungen auf Technologie und Verbraucher

Hohe Preise und angespannte Lieferketten bei Iridium können sich auf die Kosten vieler Geräte auswirken, die wir täglich nutzen – wenn auch oft indirekt. Hersteller werden nach Alternativen für Elektroden- und Kontaktkonstruktionen suchen, metallsparende Lösungen einführen und einen Teil der steigenden Kosten an Endverbraucher weitergeben müssen.

Besonders hart dürfte es den Sektor der erneuerbaren Energie treffen. Iridiumbasierte Elektrolyseure zur Wasserstofferzeugung gelten heute als eine der vielversprechendsten Technologien. Ein starker Preisanstieg dieses Metalls könnte das Rollout solcher Anlagen verlangsamen und die Gesamtkosten ganzer Energieprojekte in die Höhe treiben. Diese Sorge teilen Experten unter anderem vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme und anderen Forschungszentren.

Recycling und neue Technologien könnten als Rettungsanker dienen. Ingenieure und Chemiker arbeiten intensiv daran, Iridium aus ausgedienten Elektronikbauteilen zurückzugewinnen, Elektroden mit deutlich geringerem Metallbedarf zu entwickeln und völlig neue Katalysatormaterialien zu erforschen, die Teile der Iridium-Anwendungen übernehmen könnten. Jeder Fortschritt in diesen Bereichen kann den Markt entlasten. Forschung und Entwicklung brauchen jedoch Jahre – während die Energiewirtschaft sofort Lösungen benötigt.

Was Regierungen und Verbraucher erwarten können

Für Staaten, die in grünen Wasserstoff und die Energietransformation investieren möchten, wird der Zugang zu Iridium zur strategischen Frage. Es ist zu erwarten, dass ein Teil der Regierungen langfristige Lieferverträge für dieses Metall abschließen, inländische Recycling- und Rückgewinnungsprojekte aus Elektroschrott fördern und Iridium in die Liste kritischer Rohstoffe aufnehmen wird – ähnlich wie es die Europäische Union bereits mit anderen Metallen tut.

Für gewöhnliche Verbraucher mögen die Auswirkungen weniger sichtbar, aber durchaus real sein: teurere Wasserstofflösungen, höhere Kosten für bestimmte Hightech-Geräte sowie wachsender Druck darauf, dass Elektronik länger hält und am Ende ihrer Nutzungsdauer effizienter recycelt wird. Experten des Massachusetts Institute of Technology betonen die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft gerade im Zusammenhang mit seltenen Technologiemetallen.

Ein größeres Bild hinter dem Nischenthema

Auf den ersten Blick mag Iridium wie ein exotisches Thema für eine kleine Gruppe von Ingenieuren und Investoren wirken. In Wirklichkeit zeigt es jedoch etwas viel Grundlegenderes: Die moderne Wirtschaft basiert auf ganz konkreten, begrenzten Rohstoffen. Jeder einzelne davon kann zum Engpass der gesamten Energiewende oder Digitalisierung werden.

Wer solche Zusammenhänge kennt, versteht besser, woher plötzliche Energiepreissprünge kommen, warum neue Technologien nicht immer so schnell günstiger werden wie erhofft, und warum Recycling sowie ressourcenschonendes Produktdesign für große Unternehmen zur strategischen Priorität geworden sind.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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