Sommerblüher, die alles verändern
Die richtigen mehrjährigen Zwiebelpflanzen – zwischen Februar und Ende Mai gesetzt – lassen Beete und Balkonkästen im Sommer regelrecht explodieren. Das Schöne daran: Diesen Effekt können nicht nur Besitzer großer Gärten genießen. Selbst ein ganz gewöhnlicher Balkon in einem Mehrfamilienhaus lässt sich damit in ein farbenprächtiges Schaustück verwandeln.
Die meisten Menschen verbinden Zwiebeln automatisch mit Tulpen und Narzissen – also mit Herbstpflanzungen, die erst nach dem Winter blühen. Dabei gibt es eine ganze Gruppe von Zwiebel- und Knollenpflanzen, die man im Frühjahr einsetzt und die bereits im selben Sommer blühen. Genau sie sorgen für die eindrucksvollsten Bilder im Juli und August.
Warum Zwiebelpflanzen so viel Kraft haben
Frühjahrs-Zwiebelpflanzen liefern im selben Jahr Blüten und kehren bei guter Pflege mehrere Saisons zurück. Der Grund liegt in ihrer Biologie: In unterirdischen Organen speichern sie konzentrierte Energiereserven. Dadurch starten sie deutlich schneller als klassische Stauden und blühen in der Regel länger und üppiger.
Im Frühjahr kauft man Zwiebeln, Rhizome und Knollen, die bereits „startbereit“ sind – sie haben in der Produktion eine Kältephase durchlaufen und konzentrieren sich nach dem Einpflanzen sofort auf den Aufbau von Blättern und Knospen.
Die wichtigste Bedingung: kein stehendes Wasser
Entscheidend für den Erfolg ist durchlässiger Boden. Die Erde sollte locker und leicht sein, am besten mit etwas Sand oder feinem Kies gemischt. Im Garten reicht es, den Untergrund aufzulockern und die Zwiebeln so tief einzusetzen, dass sie etwa zwei- bis dreimal ihrer eigenen Höhe bedeckt sind.
In Kästen und Töpfen ist eine kräftige Drainageschicht am Boden unbedingt notwendig. Stehendes Wasser ist der häufigste Grund, warum Knollen faulen – und das lässt sich leicht vermeiden.
Zwiebeln, Knollen und Rhizome richtig einpflanzen
Die Pflanztechnik ist bei den meisten Arten ähnlich – unabhängig davon, ob es sich um eine klassische Zwiebel, ein Rhizom, eine Knolle oder einen sogenannten Korm handelt. Mit ein paar einfachen Schritten gelingt die Pflanzung problemlos:
- Erde aufgraben und lockern, Steine und Unkraut entfernen
- Zwiebel mit der Spitze nach oben einsetzen – dort wachsen die Triebe heraus
- Leicht mit Erde bedecken und sanft mit den Handflächen andrücken
- Angießen, damit sich die Erde gut an die Zwiebel anlegt
- In Kästen Balkonerde mit Perlit oder Sand mischen
- Auf dem Boden des Behälters eine Schicht Blähton, Tonscherben oder Kies anlegen
- Auf ausreichende Abzugslöcher im Gefäß achten
In Regionen mit milden Wintern bleiben viele Arten problemlos in der Erde. In kälteren Gegenden empfiehlt es sich, empfindliche Knollen im Herbst auszugraben. Wenn das Laub braun geworden ist, holt man sie heraus, lässt sie einige Tage an einem luftigen Ort trocknen und lagert sie dann in Kisten – eingebettet in Sägespäne, trockenen Torf oder Papier. Die optimale Lagertemperatur liegt je nach Art zwischen einem und einigen wenigen Grad Celsius.
10 Zwiebelpflanzen, die Garten und Balkon verwandeln
Die folgenden Pflanzen erzielen im Sommer den größten Effekt bei vergleichsweise geringem Aufwand. Kanna bildet eine hohe, ausdrucksstarke Farbwand, deren großes Laub an tropischen Dschungel erinnert. Dahlien begeistern mit tausenden Sorten – von zierlich bis riesig, in Farben von Weiß über Rosa bis tief Violett. Montbretien tauchen Beete in Orange und Rot, ihre kleinen Blüten ähneln winzigen Orchideen.
Gladiolen schaffen eine natürliche Sichtschutzwand und liefern herrliches Schnittblumenmaterial – ihre Stängel erreichen teils über 120 Zentimeter Höhe. Lilien bringen Eleganz und intensiven Duft, besonders empfohlen werden der Orientalische Hybrid Stargazer sowie asiatische Sorten. Tuberosen sind ideal in Terrassennähe, da ihr Aroma sich in der Dämmerung am schönsten entfaltet.
Knollenbegonien gedeihen ausgezeichnet im Schatten – ihre Blüten kommen dort sogar besser zur Geltung als in der prallen Sonne. Kaladien schätzt man vor allem wegen ihres Laubes: Das bunte Blattwerk wirkt wie ein gemaltes Gemälde. Anemonen erhellen dunklere Gartenecken mit ihren leichten, schlichten Blüten. Freesien schließlich überzeugen mit zartem Duft und eleganter Form – sie eignen sich sowohl für Schnittblumensträuße als auch für den Balkon.
Welche Arten passen zu Sonne, Schatten und Balkon?
Nicht jede Pflanze verträgt pralle Mittagssonne oder tiefen Schatten gleich gut. Es lohnt sich, die Auswahl an die tatsächlichen Bedingungen am Haus oder auf dem Balkon anzupassen. Für vollsonnige Beete eignen sich Kannas als farbige Wand, Dahlien mit kompaktem Blütenflor, Montbretien in Orange und Rot, Gladiolen als Sichtschutz, Lilien für Eleganz und Duft sowie Tuberosen in Terrassennähe.
Im Garten pflanzt man sie am wirkungsvollsten in Gruppen – mehrere bis Dutzende Exemplare einer Art zusammen. Eine einzelne Pflanze wirkt bescheiden, ein ganzer Tuff aber wie ein leuchtendes Farbbild. In Kästen funktionieren die meisten genannten Arten gut, sofern man für tiefe Gefäße und regelmäßiges Gießen sorgt.
Auf einem sonnigen Balkon lässt sich eine tolle Komposition so aufbauen: niedrigere Dahlien am Rand, dahinter höhere Gladiolen oder Kannas und daneben ein Topf mit Tuberose direkt neben der Balkontür. Für schattige Bereiche wählt man Knollenbegonien, Kaladien und Anemonen – sie bringen Farbe dorthin, wo andere Pflanzen versagen.
Auf kleinen Flächen bewährt sich das sogenannte Etagen-Pflanzen: größere Knollen tiefer, kleinere flacher, alles in einem einzigen Gefäß. So erscheinen die Blüten auf verschiedenen Höhen und der Topf wirkt viel üppiger.
Düngen, Gießen, Schneiden – so kehren Zwiebelpflanzen Jahr für Jahr zurück
Mehrjährige Zwiebelpflanzen überstehen mehrere Saisons, solange man ihre Reserven nicht erschöpft. Der häufigste Fehler ist, das Laub nach der Blüte zu früh zu entfernen. Die Blätter brauchen Zeit zur Fotosynthese, um die unterirdischen Organe wieder aufzufüllen. Lass das Laub auf natürliche Weise vergilben und eintrocknen – erst dann schneidest du es ab.
Gedüngt wird am besten ab dem Moment, wenn die ersten Blätter erscheinen, bis zum Ende der Blüte. Bewährt hat sich ein klassischer flüssiger Blütenpflanzendünger, der alle sieben bis zehn Tage beim Gießen verabreicht wird. Bei Hitze müssen Pflanzen in Kästen täglich gegossen werden; im Garten hingegen lieber seltener, aber dafür reichlich, damit das Wasser tief in den Boden eindringt.
Gartenexperten empfehlen außerdem das gestaffelte Einpflanzen – zum Beispiel bei Gladiolen. Wer alle zehn bis vierzehn Tage eine neue Portion Zwiebeln in die Erde setzt, verlängert die Blütezeit von der Sommermitte bis in den frühen Herbst. So hat man über die gesamte warme Jahreszeit frische Schnittblumen zur Hand.
Was du riskierst – und was du gewinnst
Die größten Gefahren für Frühjahrspflanzungen sind Staunässe und späte Fröste. Vor dem Einpflanzen lohnt es sich zu prüfen, ob sich die Erde nach Regen in Mulden anstaut. Empfindliche Arten lassen sich zu Saisonbeginn mit Vliesfolie schützen.
Die Vorteile überwiegen allerdings deutlich. Ein einmaliger Kauf von Zwiebelpaketen liefert bei richtiger Überwinterung Dekoration für mehrere Jahre. Viele Pflanzen wachsen nach der ersten Saison kräftig aus und lassen sich teilen, an neue Standorte verpflanzen oder mit Freunden tauschen. Gut gepflegte Zwiebelpflanzen können fünf oder mehr Saisons überdauern.
Besonders reizvoll ist auch die Kombination aus mehrjährigen Zwiebelpflanzen und einjährigen Sommerblumen. Niedrige Tagetes, Lobelien oder Petunien füllen die Lücken zwischen hohen Dahlien oder Kannas und sorgen für ein üppiges Beetbild bis in den ersten Herbst. Auf diese Weise verwandelt sich Garten oder Balkon von einem saisonalen Randdetail in einen farbenfrohen Mittelpunkt des Hauses – von Frühjahr bis Herbst. Klingt das nicht nach einem guten Grund, in diesem Jahr einfach mal ein paar Sorten auszuprobieren?












