Was passiert, wenn du das Kühlmittel im Winter vernachlässigst
Die meisten Autofahrer denken vor dem Winter sofort an Winterreifen und Batterie – doch das Kühlsystem wird dabei häufig komplett ignoriert. Dabei kann ein fehlendes oder zu schwach konzentriertes Frostschutzmittel Schäden verursachen, deren Reparatur teurer wird als so mancher Winterurlaub.
Werkstattexperten warnen immer wieder: Das häufigste Versäumnis vor dem ersten Frost ist die fehlende Kontrolle der Kühlflüssigkeit. Ein moderner Motor arbeitet bei rund neunzig Grad Celsius – ohne funktionierenden Kühlkreislauf drohen ernsthafte Schäden am Zylinderkopf, an Dichtungen oder sogar am gesamten Motorblock. Gefrierende Flüssigkeit dehnt sich aus und kann sowohl Metall- als auch Kunststoffteile zum Bersten bringen.
Kühlmittel ist weit mehr als gefärbtes Wasser
Im Alltag nennen Autofahrer es einfach Frostschutzmittel oder Kühlerwasser. Doch seine tatsächliche Funktion im Fahrzeug ist deutlich komplexer, als der Name vermuten lässt.
Modernes Kühlmittel besteht hauptsächlich aus Glykol – entweder Ethylenglykol oder Propylenglykol – gemischt mit Wasser und einer Kombination aus Additiven. Diese Mischung erfüllt mehrere entscheidende Aufgaben gleichzeitig.
Sie senkt den Gefrierpunkt der Flüssigkeit im gesamten System, sodass sie auch bei etwa minus dreißig Grad Celsius flüssig bleibt. Gleichzeitig erhöht sie den Siedepunkt und schützt den Motor so im Sommer vor Überhitzung – etwa im Stau oder beim Ziehen eines Anhängers. Die enthaltenen Additive verhindern zudem Korrosion an Aluminiumbauteilen, Graugussköpfen und Kupferleitungen im Kühler.
Welche Schäden gefrorenes Kühlmittel anrichten kann
Befindet sich im Kühlsystem nur reines Wasser oder eine zu schwach konzentrierte Mischung, beginnt diese beim ersten Frost zu gefrieren. Eis nimmt mehr Volumen ein als flüssiges Wasser und erzeugt dadurch enormen Druck auf Kühler, Schläuche und die Kanäle im Motorblock.
Mechaniker in Fachwerkstätten erleben regelmäßig gerissene Kunststoffbehälter, aufgeplatzte Gummischläuche oder sogar Risse im Aluminiumblock. Die Reparatur eines gebrochenen Zylinderblocks bei Fahrzeugen von Volkswagen, Škoda oder Ford übersteigt häufig die Summe von fünfzigtausend Kronen. Ein Kühlertausch inklusive Arbeitszeit kostet in einer normalen Werkstatt zwischen acht- und fünfzehntausend Kronen.
Besonders gefährlich wird es, wenn der Fahrer den Motor bei einem teilweise eingefrorenen System startet. Die Wasserpumpe versucht dann, eine eisige Brühe durch das System zu drücken – dabei werden die Pumpenflügel beschädigt und die Kanäle im Zylinderkopf verstopft. Der Motor überhitzt, die Kopfdichtung kann sich verformen oder die Kolben können sich festfressen.
- Risse im Kunststoffausgleichsbehälter
- Aufgeplatzte Gummischläuche des Kühlkreislaufs
- Risse im Aluminiummotorblock
- Beschädigte Flügel der Wasserpumpe
- Verstopfte Kanäle im Zylinderkopf
- Verformte Kopfdichtung
- Motorüberhitzung und festgefressene Kolben
- Korrosion an Kupferleitungen im Kühler
So prüfst du die Konzentration des Frostschutzmittels richtig
Die Kontrolle des Kühlmittels ist keine Hexerei und lässt sich problemlos auf dem Parkplatz vor der Haustür erledigen. Du benötigst lediglich ein Aräometer oder ein Refraktometer, das im Fachhandel für etwa zwei- bis fünfhundert Kronen erhältlich ist.
Wichtig: Der Motor muss kalt sein, damit du dich nicht an der heißen Flüssigkeit verbrühst. Öffne den Deckel des Ausgleichsbehälters und entnehme mit dem Messgerät eine kleine Menge Kühlmittel. Das Gerät zeigt dir an, bei welcher Temperatur die Mischung gefriert. Empfohlen wird ein Frostschutz bis mindestens minus fünfundzwanzig Grad Celsius – in Gebirgsregionen lieber bis minus fünfunddreißig Grad.
Ist die Konzentration zu gering, fülle hochwertiges Kühlmittel von Herstellern wie Comma, Castrol, Mannol oder Total nach. Mische dabei niemals verschiedene Typen nach Farbe – nicht Rosa mit Blau und nicht Grün mit Orange. Jeder Typ enthält unterschiedliche Additivpakete; eine Vermischung kann zur Ausfällung von Substanzen und zur Verstopfung des Systems führen.
Weitere Winterfehler, die Autofahrer häufig machen
Kühlmittel ist nicht die einzige Flüssigkeit, die vor dem Winter oft vernachlässigt wird. Mindestens genauso wichtig ist die Scheibenwaschanlage.
Reines Wasser im Vorratsbehälter gefriert bereits bei null Grad und kann Düsen, Schläuche oder die Pumpe zum Bersten bringen. Der Austausch der Waschpumpe kostet in der Werkstatt rund tausend Kronen, neue Düsen nochmal fünfhundert Kronen. Die Lösung ist simpel: Wasser ablassen und den Behälter mit einem qualitativ hochwertigen Frostschutzmittel für Scheibenwaschanlagen füllen.
Ein weiteres häufiges Problem ist eine alte Batterie mit reduzierter Kapazität. Chemische Prozesse in Bleisäurebatterien laufen bei Kälte deutlich langsamer ab. Eine Batterie, die im Sommer noch problemlos startet, kann bei minus zehn Grad bereits versagen. Ein Batterietest mit einem Lastentester in der Werkstatt dauert nur fünf Minuten und ist oft kostenlos.
Vorbeugung ist günstiger als das Reparieren eingefrorener Teile
Die vollständige Kontrolle aller Fahrzeugflüssigkeiten dauert höchstens dreißig Minuten – und kann dir mehrere zehntausend Kronen an Winterreparaturen ersparen. Kühlmittel, Scheibenwaschwasser und Batteriezustand gehören zu den wichtigsten Punkten bei der Wintervorbereitung deines Autos.
Achte außerdem auf deine Reifen: Winterreifen sollten eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern haben, besser sechs Millimeter. Vergiss auch nicht Motoröl, Bremsflüssigkeit und Servolenkungsöl zu prüfen. Ein gut vorbereitetes Fahrzeug bringt dich sicher durch jeden noch so harten Winter.












