7 einfache Gewohnheiten, die Ihnen auch nach dem Siebzigsten Energie verleihen

Fit mit siebzig – kein Zufall, sondern Gewohnheit

Wer mit über siebzig noch voller Energie steckt, verdankt das selten dem Glück. Meistens stecken dahinter kleine, alltägliche Entscheidungen – und die haben nur wenig mit dem Fitnessstudio zu tun.

Immer mehr Menschen erreichen das achtzigste oder gar neunzigste Lebensjahr. Doch der Unterschied zwischen bloßem Überleben und einem wirklich erfüllten Leben ist gewaltig. Die Siebzig muss kein Abschied von Bewegung, Neugier oder dem Gefühl von Sinnhaftigkeit sein. Im Gegenteil – es ist genau der Moment, um bewusst auf Körper, Geist und Beziehungen zu achten. Nicht gegen das Alter ankämpfen, sondern mit ihm umgehen.

Gerontologen betonen seit Jahren: Die Lebensqualität älterer Menschen wird vor allem durch kleine, aber regelmäßige Gewohnheiten geprägt. Studien zeigen immer wieder, dass selbst moderate tägliche Bewegung die Mobilität, die Stimmung und die allgemeine Vitalität deutlich verbessert. Und das Beste daran: Diese Veränderungen sind für fast jeden umsetzbar.

Täglich bewegen – aber mit Köpfchen

„Bewegung ist Gesundheit“ klingt nach einer abgedroschenen Floskel, doch nach dem Siebzigsten bekommt dieser Satz eine sehr konkrete Bedeutung. Es geht nicht um Marathonläufe oder intensive Trainingsprogramme, sondern um regelmäßige, gelenkschonende Bewegung, die Muskeln erhält und Knochen schützt.

Die zugänglichste und günstigste Bewegungsform für Senioren ist schlicht das Gehen. Mediziner empfehlen gesunden Erwachsenen rund zehntausend Schritte täglich. Bei Menschen über siebzig können jedoch bereits etwa viereinhalbtausend Schritte am Tag die Fitness, den Blutkreislauf und das allgemeine Wohlbefinden spürbar verbessern.

  • Ein gemächlicher Spaziergang im Viertel oder im Park
  • Treppen steigen statt Aufzug fahren, wenn möglich
  • Entspanntes Schlendern im Supermarkt statt eiliger Einkäufe
  • Mehrere kurze Spaziergänge über den Tag verteilt statt eines langen Marsches

Regelmäßiges Gehen senkt das Sturzrisiko, verbessert die Balance und hilft dabei, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Neben klassischen Spaziergängen gibt es aber noch weitere Bewegungsformen, die sich für ältere Menschen besonders eignen.

Wasser ist nach dem Siebzigsten ein echter Freund. Beliebte Aquabike-Kurse – also Radfahren im Schwimmbecken – ermöglichen Training ganz ohne Belastung für Knie, Hüften oder die Wirbelsäule. Auch sanftes Schwimmen, Wassergymnastik oder einfache Wasserspiele sind wunderbar geeignet.

Nicht zu vergessen: Hausarbeit und Gartenarbeit. Staubsaugen, Fenster putzen, Laub harken oder kleine Reparaturen sind keine lästigen Pflichten – sie sind vollwertige körperliche Aktivitäten, die den Puls erhöhen und die Muskulatur beanspruchen.

Bewegung draußen bringt einen zusätzlichen Bonus: natürliches Licht, das die Vitamin-D-Produktion anregt. Ein Mangel daran ist bei Senioren mit erhöhtem Knochenbruchrisiko und geschwächter Immunabwehr verbunden. In den warmen Monaten reicht ein kurzer Spaziergang am Tag – immer mit Sonnenschutz und Rücksicht auf die Hitze.

Das Körpergewicht im Blick: weder zu viel noch zu wenig

Nach dem Siebzigsten kann das Körpergewicht unerwartete Tücken haben. Manche nehmen zu, weil sie sich weniger bewegen, aber genauso viel essen wie früher. Andere verlieren an Gewicht, weil der Appetit nachlässt oder die Ernährung zu einseitig wird. Beide Extreme belasten den Organismus spürbar.

Ein praktisches Orientierungswerkzeug ist der Body-Mass-Index, kurz BMI. Er wird berechnet, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern teilt. Ernährungsexperten empfehlen Senioren, den BMI in einem Bereich zu halten, der dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand entspricht.

Bei Übergewicht empfiehlt sich ein langsamer, behutsamer Gewichtsverlust: mehr altersgerechte Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit weniger Süßigkeiten, fettreichen Speisen und gesüßten Getränken. Hungern ist keine gute Idee – es schwächt den Körper, anstatt ihm zu helfen.

Bei zu niedrigem Gewicht lautet das Ziel, den Organismus gezielt zu stärken: regelmäßige Mahlzeiten, eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte sowie gesunde Fette. Bei deutlichem Appetitverlust sollte ein Arzt oder Ernährungsberater hinzugezogen werden.

Zu viele Kilos nehmen die Lust auf Bewegung – zu wenig nehmen die Kraft. Beide Extreme erhöhen das Risiko für Erkrankungen und Stürze gleichermaßen.

Auch das Gehirn braucht regelmäßiges Training

Gute Form nach siebzig bedeutet nicht nur kräftige Beine – ein wacher Geist ist genauso wichtig. Neuronen lieben Herausforderungen. Je öfter wir sie zum Arbeiten bringen, desto bereitwilliger bleiben sie aktiv.

Geistige Aktivität kann dabei echtes Vergnügen sein, keine Pflicht. Es reicht, sich dem zuzuwenden, was Freude macht, aber wenigstens ein bisschen Konzentration erfordert:

  • Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften lesen
  • Kreuzworträtsel, Sudoku und verschiedene Denksportaufgaben
  • Gesellschaftsspiele oder Kartenspiele mit Freunden
  • Filme und Serien, die wirklich zum Nachdenken anregen
  • Musik – Zuhören, aber auch einfache Melodien lernen oder ein Instrument spielen

Immer beliebter werden auch Computerspiele und Apps, die speziell für Senioren entwickelt wurden. Kurze Einheiten mehrmals pro Woche verbessern nachweislich Reaktionsvermögen und Konzentrationsfähigkeit.

Einen besonders starken Einfluss auf das Gehirn hat das Erlernen neuer Dinge – auch wenn viele das für ein Vorrecht der Jugend halten. Eine Fremdsprache, der Umgang mit dem Smartphone, Fotografieren, Zeichnen, Grundlagen der Computerarbeit oder ein völlig neues Hobby – all das zwingt das Gehirn, neue Verbindungen zu knüpfen, und verlangsamt den Alterungsprozess.

Wissenschaftler bestätigen wiederholt: Kognitive Aktivität im Seniorenalter kann den Beginn von Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen deutlich hinauszögern.

Menschen um Sie herum: der beste Schutz vor Einsamkeit

Einsamkeit zermürbt körperlich. Ein Senior, der nur selten Kontakt zu anderen Menschen hat, verliert die Motivation zur Bewegung, isst schlechter und gleitet schneller in Niedergeschlagenheit und Depressionen ab.

Es lohnt sich, sowohl nachbarschaftliche Beziehungen als auch formellere Kontakte zu pflegen: Seniorenclubs, Interessengruppen, örtliche Vereine oder Gruppenkurse. Gemeinsames Sport treiben, ein Kinobesuch oder einfach ein Tee nach einem Treffen – all das stabilisiert die Stimmung und stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit.

Auch die Familie spielt eine Schlüsselrolle. Regelmäßige Mittagessen, Geburtstagsfeiern, kleine Feste oder einfach ein wöchentlicher Kaffee mit Kindern oder Enkeln festigen die gemeinsamen Bande. Und ein kurzer Anruf „einfach mal plaudern“ hat ebenfalls eine echte, messbare Wirkung.

Sozialgerontologen weisen immer wieder darauf hin: Qualitativ hochwertige soziale Beziehungen senken das Depressionsrisiko bei Senioren genauso wirksam wie viele Medikamente. Aktive Gemeinschaftsbeteiligung verlängert darüber hinaus die Lebensdauer und verbessert deren Qualität insgesamt.

Der Arzt als Verbündeter, nicht als Gegner

Nach dem Siebzigsten entwickeln sich viele Erkrankungen völlig ohne Symptome. Bluthochdruck, Herzprobleme, beginnender Diabetes oder Nierenerkrankungen senden lange keine deutlichen Signale.

Es empfiehlt sich, mit dem Hausarzt regelmäßige Kontrolltermine zu vereinbaren und Untersuchungen nicht auf „irgendwann“ zu verschieben. Mindestens einmal jährlich ist eine umfassendere Vorsorgeuntersuchung sinnvoll: Blutbild, Urinanalyse, Blutdruckmessung sowie eine Überprüfung von Seh- und Hörvermögen. Ein frühzeitig erkanntes Problem eröffnet den Weg zu einer schonenderen Behandlung und ermöglicht es, die Selbstständigkeit länger zu erhalten.

Ärzte empfehlen Senioren außerdem, den Knochenstatus im Auge zu behalten und regelmäßig Cholesterin- und Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen. Vorsorge ist der tragende Pfeiler von Vitalität und Eigenständigkeit im höheren Lebensalter.

Gebraucht werden: die unerschöpfliche Kraft des Ehrenamts

Viele Menschen spüren nach dem Eintritt in den Ruhestand plötzlich ein unangenehmes Gefühl der Überflüssigkeit. Dabei sind die Erfahrungen und das Wissen, das über ein ganzes Berufsleben angesammelt wurde, für jüngere Generationen schlicht unschätzbar wertvoll.

Senioren können Jüngere beim Lernen unterstützen, bei der Prüfungsvorbereitung helfen, bei der Berufswahl beraten oder bei der Orientierung auf dem Arbeitsmarkt zur Seite stehen. Gemeinnützige Organisationen sind für solche Hilfe dankbar. Möglichkeiten gibt es auch in Sportvereinen, Kulturhäusern, Kirchengemeinden, Bibliotheken oder lokalen Stiftungen.

Das Wissen, dass jemand tatsächlich auf Ihre Anwesenheit und Hilfe zählt, gibt oft mehr Kraft als jedes beworbene Nahrungsergänzungsmittel. Ehrenamtliches Engagement gibt dem Leben Sinn und schenkt das Gefühl, nützlich zu sein und wertgeschätzt zu werden.

Freude kennt kein Verfallsdatum

Das Ende des Berufslebens bedeutet nicht das Ende eines erfüllten Lebens. Es ist eher eine Chance, alte Leidenschaften neu zu entfachen oder völlig neue zu entdecken. Malen, Handarbeiten, Musik, Reisen, Tanzen, Fotografieren, Gärtnern – was auch immer Freude bereitet, hat nachweislich einen positiven Einfluss auf die geistige und körperliche Gesundheit.

Hobbys sollten ein fester Bestandteil des Tages sein, kein „Anhängsel, wenn noch Zeit bleibt“. Eine Stunde täglich, die ausschließlich dem eigenen Wohlbefinden gewidmet ist, kann die Stimmung länger heben als so manches Medikament.

Der Schlüssel liegt in Einfachheit und Regelmäßigkeit. Ein kurzer täglicher Spaziergang, ein Kreuzworträtsel und ein Anruf bei einem Freund tun mehr für die Gesundheit als eine einmalige „große Gesundheitsaktion“ einmal im Monat, nach der man wieder auf die Couch sinkt. Bewährt hat sich der Ansatz der kleinen Schritte: Diese Woche täglich fünfhundert Schritte mehr, nächste Woche eine gesellschaftliche Begegnung, bald darauf eine nährstoffreichere Mahlzeit. Diese kleinen Veränderungen summieren sich mit der Zeit – und die Siebzig hört auf, wie eine Einschränkung zu klingen. Sie wird zu einer neuen, ruhigeren, aber immer noch voller Möglichkeiten steckenden Lebensphase.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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