Dieser Olivenöl aus dem Supermarkt gewann den Geschmackstest – ein Hit mit Haken

Begeistert geschmacklich, wirft aber Fragen auf

Ein französisches Verbrauchermagazin hat zweiundzwanzig native Olivenöle extra aus gewöhnlichen Supermärkten unter die Lupe genommen – und der Sieger hat viele überrascht. Die Maiausgabe der Zeitschrift ließ Experten urteilen, und auf dem Treppchen landete eine Flasche aus einem renommierten privaten Olivenhain, die man kaum als Alltagsprodukt bezeichnen kann.

Die Tester lobten das Öl fast ohne Einschränkungen. Doch der Abschlussbericht enthielt auch einige weniger erfreuliche Erkenntnisse, über die man nicht einfach hinwegsehen sollte.

Wie der Supermarkt-Olivenöltest ablief

Das Produktspektrum war breit gefächert – von Eigenmarken der Supermarktketten über bekannte Labels bis hin zu Premiumprodukten. Allen gemeinsam war die Bezeichnung „natives Olivenöl extra“, also die höchste Qualitätskategorie nach EU-Vorschriften. Diese Kennzeichnung bedeutet, dass das Öl ausschließlich mechanisch gepresst, ohne Chemieeinsatz und bei streng kontrollierter Temperatur gewonnen wurde – mit entsprechend niedriger Säure.

Auf dem Papier erfüllten alle getesteten Öle strenge Normen. Die Unterschiede zeigten sich erst bei der genauen Analyse. Der Test konzentrierte sich auf drei Säulen: das Fettsäureprofil, den Gehalt an Verunreinigungen sowie die Bewertung von Geschmack und Aroma durch ein spezialisiertes Verkostungspanel.

Die Fachleute prüften insbesondere die Qualität der Fette, konkret den Anteil gesunder einfach ungesättigter Fettsäuren. Außerdem wurde die Anwesenheit unerwünschter Stoffe wie Weichmacherrückstände untersucht. Das Degustationspanel bewertete sensorische Eigenschaften – Intensität von Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe sowie deren gegenseitige Balance.

Die drei Olivenöle an der Spitze der Rangliste

Drei Produkte setzten sich in der Gesamtwertung besonders deutlich durch. Zwei davon waren Bio-Olivenöle aus Frankreich aus dem höheren Preissegment. Laut Bericht sind jedoch zwei der ausgezeichneten Varianten – Costa d’Oro La Riserva biologica und das französische Öl Puget – inzwischen aus dem regulären Handel verschwunden.

Ihren Platz an der Spitze übernahm das dritte Label, das zur eigentlichen Hauptfigur des Tests wurde. Das Magazin bezeichnete es als außergewöhnlich – nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch wegen seiner Entstehungsgeschichte und seines Terroirs. Die Ergebnisse zeigten, dass das Premiumsegment tatsächlich etwas anderes zu bieten hat als gewöhnliche Supermarktöle.

Die Experten betonten, dass es sich dabei nicht um einen bloßen Marketingtrick handelt. Chemische Analysen bestätigten Unterschiede im Fettsäureprofil, und die Verkoster registrierten eine deutlich höhere Aromaintensität. Für Verbraucher ist das ein klares Signal: Manchmal lohnt sich der Griff zur teureren Variante, wenn man ein authentisches Geschmackserlebnis sucht.

H de Leos fruité vert – das Olivenöl, das die Tester außergewöhnlich nannten

Die höchste Bewertung erhielt ein Öl unter dem Namen H de Leos fruité vert. Es stammt aus der Provence, aus einem Olivenhain, der einem bekannten französischen Künstler gehört. Das Öl zeichnet sich durch ein sogenanntes grünes Geschmacksprofil aus – intensiv fruchtig mit ausgeprägter Bitterkeit und charakteristischem Brennen im Hals.

Das Verkostungspanel vergab zwei von drei möglichen Punkten in der Sensorik-Kategorie. Die Tester stellten fest, dass Bitterkeit und Schärfe gut ausgewogen sind und das Gesamtbild harmonisch wirkt. Auch bei der Fettsäureanalyse schnitt das Öl mit hervorragenden Ergebnissen ab.

Der Bericht beschreibt H de Leos fruité vert eher als Öl für anspruchsvolle Genießer denn als universelles Kochfett. In der Praxis eignet es sich besonders gut für folgende Verwendungen:

  • Salate auf Basis von frischem Gemüse mit Rucola und Tomaten
  • Beträufeln von fertigen Gerichten wie gegrilltem Gemüse, Fisch oder Steaks
  • Hervorheben des Geschmacks einfacher Vorspeisen wie Bruschetta, Brot oder Käse
  • Finishing-Touch bei mediterranen Spezialitäten mit Mozzarella oder Parmesan
  • Verfeinerung von Hummus oder kalten Suppen wie Gazpacho

Das französische Magazin empfiehlt, dieses Öl vorwiegend kalt zu verwenden, wo sein Aroma voll zur Geltung kommt. Beim Braten oder Kochen würden die besonderen Eigenschaften verloren gehen – schade angesichts des Preises.

Ein Preis wie bei Luxusprodukten, nicht wie beim Regalöl

Der auffälligste Nachteil des Testsiegers ist der Preis. Für eine Halblitrerflasche H de Leos fruité vert zahlt man etwa 29,60 Euro, was beim aktuellen Kurs auf knapp 60 Euro pro Liter hinausläuft. Das ist ein Niveau, das man eher bei Weinen als bei einem alltäglichen Bratöl erwarten würde.

Zum Vergleich: Ein gängiges natives Olivenöl extra aus dem deutschen Supermarkt kostet oft ein Vielfaches weniger. Wer zu einer solchen provenzalischen Flasche greift, weiß vermutlich, wofür er zahlt – für Terroir, handverlesene Früchte, limitierte Produktion und das Marketing rund um einen bekannten Gutsbesitzer.

Der Bericht macht daher deutlich, dass es sich nicht um ein Produkt handelt, das das alltägliche Öl zum Braten von Eiern oder Schnitzeln ersetzen soll. Es erinnert eher an ein hochwertiges Gewürz – etwas, womit man ein Gericht kurz vor dem Servieren verfeinert, anstelle eines klassischen Dressings oder einer Sauce. Das Labor bestätigte die hohe Qualität, betonte aber auch die spezifische Bestimmung des Öls.

Weichmacher im Olivenöl – woher kommen sie und was bedeuten sie?

Der interessanteste, aber auch beunruhigendste Teil des Berichts betrifft Spuren von Weichmachern im Testsieger. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die Kunststoffen Flexibilität und Haltbarkeit verleihen. In Lebensmittel gelangen sie am häufigsten über Verpackungen oder Teile von Produktionsanlagen.

Das Magazin vergab an H de Leos fruité vert hohe Bewertungen für Geschmack und Fettprofil, vermerkte aber gleichzeitig den Nachweis von Weichmacherrückständen in den getesteten Proben. Laut Redaktion überschritt die Menge dieser Stoffe die geltenden Sicherheitsgrenzwerte nicht. Dennoch löste die Anwesenheit von Weichmachern in einem Luxusprodukt, das als besonderes Genussöl vermarktet wird, unter französischen Lesern erhebliche Diskussionen aus.

Wenn selbst in einer so teuren Flasche ähnliche Rückstände wie in günstigeren Varianten gefunden werden, lässt sich kaum absolute Sicherheit über die vollständige Reinheit anderer Produkte im Regal gewinnen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Kontakt mit Kunststoff während Produktion und Vertrieb heute praktisch unvermeidlich ist. Wichtig ist jedoch, diese Werte so niedrig wie möglich zu halten.

So lässt sich der Kunststoffkontakt bei Olivenöl reduzieren:

  • Öl in Glasflaschen wählen, möglichst in dunklem Glas
  • Produkte in weichen Plastikkanistern meiden
  • Öl von Wärmequellen fernhalten, da Wärme die Migration von Stoffen aus der Verpackung beschleunigt
  • Öl nach dem Öffnen nicht monatelang aufbewahren – lieber eine kleinere Flasche kaufen und schneller verbrauchen
  • Ernte- oder Pressdatum beachten, nicht nur das Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Produzenten bevorzugen, die transparent über Abfüllung und Transport informieren

Was deutsche Verbraucher vom französischen Test lernen können

Obwohl die Rangliste auf Grundlage von Produkten aus französischen Geschäften entstand, lassen sich die Schlussfolgerungen leicht auf unsere Verhältnisse übertragen. Der höchste Preis garantiert nicht automatisch eine makellose Zusammensetzung, und ein günstigeres Öl bedeutet nicht zwangsläufig schlechten Geschmack. Es lohnt sich, einen breiteren Blick zu werfen – auf die Verpackungsart, die Herkunft der Früchte und die Art, wie das Produkt hergestellt wurde.

Öle mit grünem Profil, wie die Testsiegerin, sind aromatischer und weisen eine ausgeprägtere Bitterkeit und Schärfe im Hals auf. Sie passen hervorragend zu Salaten mit Tomaten, Rucola oder gegrilltem Gemüse. Für manche Menschen können sie für alltägliches Braten oder milde Kindergerichte zu intensiv sein.

Mildere Allzwecköle funktionieren in der heimischen Küche besser als Grundfett, während die teureren Varianten eher als Spezialprodukte zu betrachten sind. Stell sie auf den Tisch neben hochwertiges Flockensalz oder Balsamico-Essig. Ernährungstherapeuten empfehlen, beide Typen zu Hause zu haben – einen zum Erhitzen und einen für kalte Gerichte.

Wie man im deutschen Supermarkt eigenständig ein gutes Olivenöl auswählt

Die Erkenntnisse aus dem französischen Test lassen sich in einige praktische Tipps übersetzen, die man direkt im Supermarkt anwenden kann. Achte auf die Bezeichnung „nativ extra“ sowie auf das Ernte- oder Pressdatum – nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Diese Informationen verraten mehr über die Frische als allgemeine Etikettenangaben.

Greife zu dunklen Glasflaschen, besonders wenn das Öl längere Zeit in der Küche stehen soll. Licht und Wärme beschleunigen die Oxidation und verschlechtern die Qualität. Lies das Kleingedruckte – Angaben zum Ursprungsland der Oliven und zum Pressort sagen mehr aus als die Vorderseite des Etiketts mit Bildern sonniger Mittelmeerküsten.

Lass dich nicht ausschließlich vom Bio-Marketing leiten. In Sensoriktests gewinnen diese Varianten nicht immer. Ökologischer Landbau hat viele Vorteile, garantiert aber nicht automatisch den besten Geschmack. Kaufe lieber eine kleinere Packung, damit du das Öl innerhalb weniger Monate nach dem Öffnen verbrauchst. Ein großer Kanister wirkt zwar günstig, aber die Qualität sinkt mit jedem Tag nach dem Öffnen.

Für deutsche Verbraucher ist noch eine Erkenntnis besonders interessant: Das französische Magazin testete reale Produkte aus dem Regal, keine bloßen Herstellerversprechen. Eine solche Praxis übt Druck auf Marken aus, nicht nur auf den Geschmack zu achten, sondern auch auf Verpackung und Transport ihres Öls. Es wäre wünschenswert, dass ähnliche unabhängige Tests auch hierzulande häufiger erscheinen – nicht nur bei Olivenöl, sondern auch bei anderen pflanzlichen Fetten wie Sonnenblumen- oder Rapsöl. Die bewusste Wahl zwischen einer günstigen Bratflasche und einer teureren Variante für Salate könnte damit weniger zur Lotterie werden und mehr zur durchdachten Entscheidung auf Basis verlässlicher Daten.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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