Wie eine Idee mit einem Pizzaofen die Karriere von 400 Menschen weltweit veränderte

Von der Entzugsklinik zum ersten Ofen im Garten

Tom Gozney war gerade einmal 21 Jahre alt, als er eine Entzugsbehandlung wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit abschloss. Heute verdienen dank ihm Hunderte von Menschen rund um den Globus ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Backen von Pizza in tragbaren Öfen.

Seine Geschichte beginnt in einer Klinik und endet bei einem globalen Unternehmen, das nicht nur Pizzaöfen verkauft, sondern für Hunderte von Kunden zum Auslöser eines beruflichen Neuanfangs geworden ist. Das alles basiert auf einem scheinbar simplen Produkt: einem tragbaren, mit offenem Feuer beheizten Ofen.

Genau deshalb ist diese Geschichte so relevant. Sie zeigt, wie ein einziges, durchdacht gestaltetes Produkt die Einstiegshürde ins Unternehmertum senken und Menschen den Mut geben kann, ihre Karriere grundlegend zu verändern – ob Food Truck, mobiler Stand oder eine andere Form der Selbstständigkeit.

Ein Autodidakt, der sich durch Bücher über Zement und Lehm las

Nach seiner Entlassung suchte Gozney nach etwas, das die Leere seines früheren Lebens füllen würde. Er fand es am Feuer und beim Pizzateig. Im Garten hinter seinem Haus baute er mit eigenen Händen seinen ersten Ofen – optisch war er eine Katastrophe, aber er erfüllte eine entscheidende Funktion: Er veränderte die Richtung seines Lebens völlig.

Freunde begannen, sich um den Ofen zu versammeln, und das gemeinsame Pizzabacken wurde zum regelmäßigen Ritual. Feuer, Essen und Menschen – aus dieser schlichten Kombination wuchs ein Unternehmen mit weltweiter Reichweite.

Gozney hatte keinerlei Ingenieursstudium absolviert. Sein Wissen erwarb er durch das Wälzen von Büchern über die Wärmeeigenschaften von Zement, Lehm und feuerfesten Materialien. Ihn interessierte, wie man Hitze speichert, Flammen lenkt und erreicht, dass eine Pizza schnell und gleichmäßig gart.

Das erste echte Produkt – finanziert von der Mutter

Das erste ernsthafte Produkt entstand dank eines Darlehens seiner Mutter in Höhe von 5.000 Pfund. Die Hälfte davon floss in eine Form aus Glasfaser, den Rest investierte er in Materialien für eine kompakte, einteilige Betonkuppel.

So entstand das Modell Primo – ein Einstiegsofen zum Preis von 499 Pfund. Von außen erinnerte er an ein Betoniglu, im Inneren verbarg er eine durchdachte Konstruktion. Für viele Gastronomen war er ein Durchbruch: Er ließ sich schneller und kostengünstiger installieren als klassische gemauerte Öfen.

Nach einigen Jahren nutzten bekannte britische Gastronomiebetriebe das Modell Primo – darunter Restaurants, die sich auf neapolitanische Pizza spezialisiert hatten. Der Ofen war kein bloßes Gadget, sondern ermöglichte die Qualität, die anspruchsvolle Gäste erwarten.

Der Roccbox und der mobile Durchbruch ins Unternehmertum

Der eigentliche Wendepunkt kam im Jahr 2016, als das Modell Roccbox auf den Markt kam – ein leichter, tragbarer Ofen mit Steinboden, der als erstes mobiles Gerät seiner Art für Pizza aus dem offenen Feuer präsentiert wurde.

Der Schlüssel lag in der Kombination mehrerer Eigenschaften:

  • Ein Steinboden, der hohe Temperaturen speichert
  • Kompakte Abmessungen – passend für den Garten, die Terrasse oder sogar einen Food Truck
  • Eine Konstruktion, die für intensiven professionellen Einsatz ausgelegt ist
  • Temperaturen von über 500 Grad Celsius erreichbar
  • Pizza in 60 bis 90 Sekunden fertig gebacken
  • Kompatibel mit Holz und Gas

Im ersten Verkaufsmonat erzielte der Roccbox einen Umsatz von rund 900.000 Pfund. Die Zahlen waren beeindruckend, doch der eigentliche Effekt zeigte sich woanders – bei den Kunden, die alles auf eine Karte setzten.

Laut Unternehmensangaben kündigten rund 400 Menschen weltweit ihren Job und begannen, ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Verkauf von Pizza aus Gozney-Öfen zu verdienen. Diese Personen bilden heute eine inoffizielle Gemeinschaft, die das Unternehmen als Gozney Collective bezeichnet.

Wie ein tragbarer Ofen das Leben eines Menschen konkret verändert

Von außen betrachtet ist es nur ein Premium-Produkt für den Garten. Für viele Nutzer wurde er jedoch zum Werkzeug eines radikalen beruflichen Wandels. Das Konzept ist simpel: Anstatt in ein teures Lokal zu investieren, kann man bescheidener anfangen – mit einem Food Truck, einem Anhänger oder einem Stand auf dem Wochenmarkt.

Diese Menschen sind Betreiber von Food Trucks, kleinen Pizzerien, Marktständen und mobilen Catering-Angeboten. Der gemeinsame Nenner: Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht ein tragbarer Ofen und eine Pizza, die in ein bis eineinhalb Minuten gebacken ist.

Viele begannen zunächst nach Feierabend, testeten ihr Menü und verschiedene Standorte. Als die Schlangen vor ihrem Stand länger wurden, wechselten sie in die Vollzeit-Selbstständigkeit. Diese Flexibilität war es, die Menschen schließlich den entscheidenden Schritt wagen ließ.

Ein Unternehmen, das mit dem Trend zum Feuerkochen gewachsen ist

Gozney hat seinen Sitz in Bournemouth, doch Produktion und Vertrieb erstrecken sich mittlerweile über mehrere Kontinente. Das Team umfasst rund 120 Mitarbeiter, die unter anderem in China, Australien, Europa und den USA tätig sind.

Einen entscheidenden Schub brachte die Pandemiezeit. Als Restaurants geschlossen waren, begannen die Menschen, in Haushaltsgeräte, Gartenausstattung und heimische Versionen ihrer Lieblingsgerichte zu investieren. Pizzaöfen fügten sich perfekt in diesen Trend ein.

Der Jahresumsatz des Unternehmens schnellte innerhalb weniger Jahre von einigen Millionen auf mehrere Dutzend Millionen Pfund in die Höhe. Das Interesse ließ auch nach der Aufhebung der Beschränkungen nicht nach – viele Menschen hatten schlicht festgestellt, dass ein Essen am Feuer etwas bietet, das kein Lieferdienst ersetzen kann.

Die Marke verkaufte nicht nur ein Gerät, sondern eine Art, Zeit zu verbringen: Feuer, einfacher Teig, wenige Zutaten und Menschen, die gemeinsam an einem Tisch sitzen. Im Instagram-Zeitalter kaufen wir mit den Augen – ein ästhetischer Ofen und eine appetitliche Pizza erscheinen regelmäßig auf den Fotos der Kunden und treiben die kostenlose Markenwerbung an.

Was Experten zu diesem Gastronomietrend sagen

Branchenanalysten aus dem Bereich Gastronomieausstattung verweisen auf einen wachsenden Trend zur dezentralen Gastronomie. Forscher der Universität Oxford zufolge senkt tragbares Gastro-Equipment die Einstiegskosten in die Branche im Vergleich zu einem klassischen Restaurant um bis zu 70 Prozent.

Ökonomen, die sich auf Kleinunternehmen spezialisieren, betonen, dass Produkte wie der Roccbox die Wirtschaftlichkeit einer Unternehmensgründung grundlegend verändern. Statt einer halben Million Euro in Miete und Ausstattung zu investieren, kann man mit einigen Zehntausend Euro starten und den Markt testen.

Pizza hat dabei mehrere Vorteile, die Gastronomieforschern schon lange bekannt sind: Sie ist universell beliebt und leicht verständlich, die Rohstoffkosten bleiben bei hohem Verkaufswert relativ niedrig, und ein guter Ofen verkürzt die Zubereitungszeit drastisch.

Was das für Menschen bedeutet, die über ein eigenes Unternehmen nachdenken

Für deutschsprachige Leser ist das kein exotischer Bericht aus dem britischen Markt. Pizzaöfen, mobiles Catering, Food Trucks – diese Trends sind auch hier längst sichtbar. Viele Menschen kaufen heute Ausrüstung mit dem Gedanken an einen Nebenverdienst am Wochenende, und nicht selten wird daraus mit der Zeit das Hauptgeschäft.

Wer jedoch vorhat, seinen Job zu kündigen und einen Ofen zu bestellen, sollte einige Dinge bedenken. Die örtlichen Hygienevorschriften und gastronomischen Anforderungen müssen unbedingt vorab geprüft werden. Ein realistischer Businessplan muss klären, wie viele Pizzen pro Tag verkauft werden müssen, um die Kosten zu decken.

Tests im kleinen Maßstab sind unverzichtbar: Veranstaltungen, Festivals, private Feiern. Außerdem sollte man die Saisonalität einkalkulieren – Gartenanlagen und Food Trucks verdienen in Mitteleuropa hauptsächlich in den wärmeren Monaten, viele Standorte funktionieren nur von April bis Oktober.

Gozneys Geschichte zeigt jedoch noch etwas anderes: Ein Produkt kann zum Instrument des Wandels werden, wenn es Technik, Emotionen und echten Nutzen miteinander verbindet. In seinem Fall half das Feuer dabei, eine Sucht zu überwinden, schuf eine Gemeinschaft und gab anderen Menschen den Anlass, ein Leben nach eigenen Regeln zu wagen. Manchmal braucht es nur die richtige Kombination aus persönlicher Geschichte, einem hochwertigen Produkt und einer Gruppe von Menschen, die dadurch den Mut zur Veränderung finden.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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