Startup will Weltraumgesteine in riesigen Säcken in die Erdumlaufbahn schleppen

Asteroiden als Rohstoffquelle der Zukunft

Das kalifornische Unternehmen TransAstra entwickelt eine Technologie, um Asteroiden mit einem Gewicht von rund hundert Tonnen einzufangen. Das Ziel ist kein bloßes Kräftemessen – es geht um den Aufbau einer Weltraumindustrie, die auf Ressourcen basiert, die bereits dort oben existieren.

Anstatt sämtliche Materialien von der Erdoberfläche ins All zu befördern, setzen die Ingenieure auf Rohstoffe, die bereits durchs Weltall schweben. Was einst nach Science-Fiction klang, rückt nun in den Bereich ernsthafter Machbarkeitsstudien und funktionierender Prototypen.

Wie ein riesiger aufblasbarer Sack einen hausgroßen Asteroiden einfangen soll

Das in Los Angeles ansässige Startup TransAstra arbeitet an einem System, das Asteroiden in der Größe eines Einfamilienhauses einfangen kann. Das Herzstück ist ein enormer aufblasbarer Sack aus hochfesten Polymeren wie Kapton – einem Material, das bereits in zahlreichen Raumfahrtmissionen bewährt ist. Einem bisher nicht genannten Kunden wurde eine Machbarkeitsstudie für eine Mission namens New Moon erstellt – ein Dokument, das die technische, finanzielle und logistische Umsetzbarkeit detailliert analysiert.

Das Konzept klingt zunächst simpel, stellt in der Praxis jedoch eine extreme Herausforderung dar. Ein Roboterschiff fliegt zu einem kleinen Asteroiden, entfaltet eine flexible Hülle um ihn herum und wickelt ihn vollständig ein. Sobald der Brocken darin steckt, lässt sich das gesamte Paket sicherer zu einem geeigneten Verarbeitungsstandort schleppen.

Materialien wie Kapton sind zwar aus früheren Missionen bekannt, doch die Dimension dieser Konstruktion wäre völlig neu. Die Ingenieure planen umfangreiche Bodentests sowie Demonstrationen im Orbit an kleineren Testobjekten. Eine zentrale Herausforderung: Der Sack darf bei Beschädigung nicht seinen Inhalt freigeben und muss plötzliche Bewegungen des Asteroiden während des Transports abfedern.

Warum Lagrange-Punkte als ideale Weltraumfabriken gelten

TransAstra erwägt, eingefangene Asteroiden in die Nähe des Lagrange-Punkts L2 zu schleppen. Dieser besondere Bereich liegt rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, auf der der Sonne abgewandten Seite. Dort gleichen sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne teilweise aus, sodass Objekte mit relativ geringem Treibstoffverbrauch gehalten werden können.

Diese Punkte sind bei Raumfahrtingenieuren längst bekannt. Fortschrittliche Weltraumobservatorien nutzen ähnliche Regionen, weil die stabile Lage sowohl den Instrumentenbetrieb als auch die Kommunikation erleichtert. Für eine Weltraumbergindustrie ist das die ideale Adresse – weit genug von der Atmosphäre entfernt und dennoch nah genug für regelmäßigen Datenaustausch mit der Erde.

Wissenschaftler von der NASA und anderen Behörden haben bereits früher vorgeschlagen, Lagrange-Punkte für Montagestationen oder Treibstoffdepots zu nutzen. TransAstra knüpft an diese Konzepte an, konzentriert sich aber auf kleinere Asteroiden und den schrittweisen Aufbau einer Infrastruktur. Laut Firmengründer Joel Sercel bilden eingefangene Asteroiden das Fundament einer künftigen orbitalen Industrie, in der Roboter lernen, Erze zu verarbeiten und Satellitenkomponenten sowie Treibstoff für interplanetare Missionen herzustellen.

C- und M-Typ-Asteroiden als Quellen für Wasser, Eisen und seltene Metalle

Der entscheidende Grund für das Interesse des Startups an den um unser Sonnensystem kreisenden Gesteinsbrocken sind die Rohstoffe. Viele kleine Asteroiden sind reich an gefrorenem Wasser oder an Metallen, die auf der Erde ein Vermögen kosten. Das Unternehmen identifiziert zwei besonders attraktive Gruppen:

  • C-Typ-Asteroiden – dunkel, reich an Wassereis und kohlenstoffhaltigen Verbindungen
  • M-Typ-Asteroiden – stark metallhaltig, gefüllt mit Eisen, Nickel und seltenen Metallen
  • Wasserstoff und Sauerstoff aus Eis als Raketentreibstoffkomponenten
  • Atemluft für künftige bemannte Stationen
  • Metalle als Material für Tragkonstruktionen und Panels
  • Strahlungsschutzschilde aus Asteroiden-Eisen
  • Direkt im Orbit gewonnene Motorenkomponenten
  • Eine Produktionskette, die nahezu unabhängig von irdischen Ressourcen ist

Aus Eis lassen sich Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen – also Raketentreibstoff und Atemluft für künftige bemannte Stützpunkte. Metalle wiederum liefern den Werkstoff für Tragkonstruktionen, Panels, Strahlungsschutzschilde oder Motorenteile. In der Theorie ermöglicht das eine Produktionskette, die kaum auf von der Erde gestartete Ressourcen angewiesen ist.

Nach Schätzungen des Unternehmens befinden sich rund 250 kleine Asteroiden in Reichweite möglicher Missionen, die sich in den nächsten fünfzehn Jahren einfangen ließen. Die Rede ist von Objekten mit einem Durchmesser von bis zu zwanzig Metern – zu klein, um eine ernsthafte Bedrohung für unseren Planeten darzustellen, aber reich genug, um ihre Nutzung rentabel zu machen.

Zweihundertfünfzig Ziele zum Einfangen innerhalb des nächsten Jahrzehnts

Ein zentrales Element des Plans ist eine Flotte wiederverwendbarer Schiffe. Statt jedes Mal ein neues Fahrzeug zu bauen, sollen die Roboter-Schlepper in die Erdnähe zurückkehren, dort auftanken – möglichst mit Treibstoff aus bereits eingefangenen Asteroiden – und dann zum nächsten Ziel aufbrechen. In diesem Szenario würde jede weitere Reise günstiger und ertragreicher werden.

Die TransAstra-Wissenschaftler rechnen damit, dass eine erste Mission die grundlegende Einfang- und Transporttechnologie validiert. Nachfolgeflüge sollen die Abläufe schrittweise verfeinern und die Kosten senken. Das Unternehmen setzt auf das Konzept des Lernens durch Praxis – jeder eingefangene Asteroid liefert wertvolle Erkenntnisse über Materialverhalten, Systemstabilität und die Effizienz robotischer Operationen.

Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Unternehmens ist ein eigenes Kapitel. Die Kosten für den Transport eines Kilogramms Nutzlast in den Orbit sinken dank wiederverwendbarer Raketen zwar stark, bewegen sich aber immer noch im Bereich von mehreren tausend Dollar. Befürworter des Weltraumbergbaus argumentieren, dass es auf lange Sicht günstiger sein wird, außeratmosphärische Ressourcen zu nutzen.

Risiken, Sicherheit und offene Fragen

Die Idee, einen Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von mehreren Dutzend Metern in relativer Erdnähe zu lagern, wirft berechtigte Sicherheitsfragen auf. Selbst ein kleiner Fehler bei Manövern könnte die Umlaufbahn des Objekts auf ungünstige Weise für unseren Planeten verändern. Das TransAstra-Team argumentiert, dass ausschließlich kleine Asteroiden eingefangen werden, über die sich die Kontrolle weit leichter aufrechterhalten lässt als über kilometergroße Brocken.

Skeptiker weisen auf die Kosten für den Aufbau einer Roboterflotte, das Risiko von Ausfällen und den enormen Forschungs- und Entwicklungsaufwand hin. Vieles hängt davon ab, ob die Mission New Moon die Machbarkeit des Gesamtkonzepts bestätigt und weitere Investoren anzieht – sowohl private als auch institutionelle, etwa Regierungsbehörden, die neue Versorgungswege für Langstreckenmissionen suchen.

Im weiteren Kontext entwickelt sich der Weltraumbergbau auch zu einem politischen und rechtlichen Thema. Es müssen Fragen beantwortet werden: Wer hat das Recht, einen bestimmten Asteroiden zu nutzen? Wie werden Gewinne aufgeteilt? Wie lassen sich potenzielle Konflikte vermeiden? TransAstra baut damit nicht nur eine Technologie für kosmische Gesteinssäcke – sondern liefert auch den Anstoß für völlig neue Spielregeln in einem Raum, der bislang vor allem Wissenschaft und Forschungsmissionen vorbehalten war.

Vom Science-Fiction-Traum zur realen Orbitalindustrie

Die Idee, Asteroiden einzufangen, ist nicht neu. Ähnliche Pläne tauchten bereits in NASA-Dokumenten und bei anderen Unternehmen auf, doch keiner davon kam je über die Konzeptphase oder frühe Studien hinaus. TransAstra unterscheidet sich durch seinen Ansatz – das Unternehmen konzentriert sich auf kleinere Objekte, einfachere Einfangmechanismen und den schrittweisen Aufbau einer orbitalen Infrastruktur.

Wenn auch nur ein Teil dieser Vision Wirklichkeit wird, könnte sich unser Ansatz beim Bau von Satelliten und großen Konstruktionen grundlegend wandeln. Statt riesige Teleskope auf der Erde zusammenzusetzen und sie aus teuren Modulen im Orbit zu montieren, könnten Ingenieure Komponenten nutzen, die direkt aus Asteroiden-Erzen hergestellt wurden. Das eröffnet den Weg zu günstigeren Missionen zum Mars oder in den Asteroidengürtel, weil Treibstoff und Baumaterialien aus der Flugroute selbst stammen – nicht von der Erdoberfläche.

Für die meisten Menschen klingt das noch nach einer weit entfernten Vision. Doch die ersten Schritte geschehen gerade jetzt, in Form von Forschungen, Simulationen und Prototypen. In den kommenden Jahren lohnt es sich, zu beobachten, ob rund um Projekte wie New Moon ein ganzes Ökosystem von Unternehmen entsteht – von Roboterherstellern über Softwareanbieter bis hin zu Betreibern orbitaler Raffinerien und Tankstellen für Raumschiffe. Vielleicht erlebst du noch die Zeit, in der Komponenten deines Smartphones oder Solarpanels aus Metall bestehen, das irgendwo zwischen Mars und Jupiter abgebaut wurde.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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