Beliebtes Hobby senkt das Alzheimer-Risiko um bis zu 40 Prozent

Acht Jahre Beobachtung von fast zweitausend Senioren brachten erstaunliche Ergebnisse

Ein internationales Forscherteam begleitete knapp zweitausend ältere Menschen über einen Zeitraum von acht Jahren und untersuchte sorgfältig, wie verschiedene geistige Aktivitäten die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, an Demenz zu erkranken. Der Unterschied zwischen den aktivsten und den passivsten Teilnehmern war am Ende bemerkenswert deutlich – er lag im Bereich mehrerer Dutzend Prozent.

Neuropsychologen eines Chicagoer Forschungszentrums für Alzheimer-Erkrankungen werteten Daten von 1939 Personen mit einem Durchschnittsalter von achtzig Jahren aus. Zu Studienbeginn war bei keinem der Freiwilligen eine Demenzform diagnostiziert worden. Alle füllten detaillierte Fragebögen darüber aus, wie regelmäßig sie ihr Gehirn im Laufe ihres Lebens durch vielfältige Tätigkeiten trainiert hatten.

Was Wissenschaftler unter kognitiver Bereicherung verstehen

Die Forschenden bezeichneten ihren Ansatz als kognitive Bereicherung und interessierten sich dafür, wie häufig die Teilnehmer bestimmten Beschäftigungen nachgingen: Bücher und Zeitungen lesen, Kreuzworträtsel lösen, Brett- und Denkspiele spielen, Ausstellungen besuchen und über Kunst diskutieren, Tagebuch oder Briefe schreiben sowie Neues erlernen – etwa eine Fremdsprache.

Die Befragten beantworteten Fragen zu drei verschiedenen Lebensphasen: frühem Erwachsenenalter, mittlerem Lebensalter und der Gegenwart. Ziel war es herauszufinden, ob es darauf ankommt, wann im Leben man das Gehirn trainiert, oder ob vor allem eine langfristige, kontinuierliche Regelmäßigkeit entscheidend ist.

Eindeutiger Unterschied zwischen aktiven und passiven Senioren

Der Vergleich zwischen den Gruppen mit der höchsten und der niedrigsten geistigen Aktivität lieferte klare Ergebnisse. Die aktivsten Personen hatten ein um etwa 38 bis 40 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, und zeigten gleichzeitig einen langsameren Abbau der Gedächtnisleistung.

In der Gruppe mit dem intensivsten mentalen Training entwickelten 21 Prozent der Teilnehmer eine Alzheimer-Erkrankung. In der am wenigsten aktiven Gruppe waren es bereits 34 Prozent. Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Bildung errechneten die Wissenschaftler, dass ein Leben lang anhaltende geistige Aktivität mit einem 38-prozentigen Rückgang des Alzheimer-Risikos und einer 36-prozentigen Verringerung des Risikos einer leichten kognitiven Beeinträchtigung verbunden war – die der Demenz häufig vorausgeht.

Bei den aktivsten Personen traten die ersten schwerwiegenden Demenzsymptome im Durchschnitt fünf Jahre später auf als bei jenen, die ihr Gehirn kaum mit anspruchsvollen Aufgaben konfrontiert hatten. Die leitende Autorin der Studie, Neuropsychologin Andrea Zammit, betont die praktische Bedeutung dieser Ergebnisse für den Alltag.

Welche konkreten Aktivitäten die Forscher bei den Teilnehmern beobachteten

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf fünf Hauptbereiche kognitiver Bereicherung, die sich recht einfach in den normalen Tagesablauf integrieren lassen:

  • Lesen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften verschiedener Genres
  • Kreuzworträtsel lösen und Brettspiele spielen, wie Schach oder Scrabble
  • Galerien und Museen besuchen sowie über Kunstwerke diskutieren
  • Tagebuch, Briefe oder eigene Texte verfassen
  • Neue Fähigkeiten erlernen, zum Beispiel Spanisch oder Italienisch
  • Logikspiele und Quizze lösen
  • Dokumentar- und Bildungssendungen schauen

Die Forscher unterteilten das Leben der Teilnehmer in drei Abschnitte und verglichen den Aktivitätsgrad in jedem davon. Das zentrale Ergebnis: Regelmäßigkeit hatte mehr Gewicht als Intensität. Wer sein ganzes Leben lang täglich mindestens zwanzig Minuten gelesen hatte, schnitt besser ab als jemand, der zwar gelegentlich ein dickes Buch verschlang, dies aber ohne jede Systematik tat.

Wie die Alzheimer-Krankheit das Gehirn schrittweise angreift

Die Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich schleichend und unbemerkt. Im Gehirn häufen sich nach und nach abnormale Proteine an, die Kommunikation zwischen den Nervenzellen wird gestört, und das Gedächtnis verschlechtert sich zunehmend. Den Prozess lässt sich vereinfacht in drei Phasen beschreiben.

In der ersten, verborgenen Phase ohne sichtbare Symptome beginnen sich im Hippocampus – dem zentralen Gedächtniszentrum – schädliche Ablagerungen zu bilden. Die betroffene Person funktioniert dabei völlig normal, und diese Veränderungen können bis zu sieben Jahre voranschreiten, bevor sie jemandem auffallen.

Die zweite Phase bringt erste Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und der Planung. Die Schädigungen breiten sich allmählich auf weitere Hirnregionen aus. Es wird häufiger, Schlüssel zu verlegen, Wörter zu vergessen oder Schwierigkeiten bei der Tagesorganisation zu haben. Dieses Stadium dauert meist rund zwei Jahre und wird leicht mit dem normalen Alterungsprozess verwechselt.

In der fortgeschrittenen Demenzphase ist das Gedächtnis schwer beeinträchtigt, die Persönlichkeit verändert sich, und die Orientierung in Zeit und Raum geht verloren. Die erkrankte Person kann kein selbstständiges Leben mehr führen, und die gesamte Familie muss sich auf die Pflege einstellen. Diese Phase kann drei bis elf Jahre dauern. Das Wissen, dass die Hirnveränderungen über viele Jahre hinweg anwachsen, bietet eine gewisse Chance – gerade in diesem langen Zeitraum kann der Lebensstil das Tempo des gesamten Prozesses beeinflussen.

Warum beliebte Freizeitbeschäftigungen so stark auf Gehirnzellen wirken

Laut Andrea Zammit bauen Aktivitäten wie das Lesen von Romanen, Brettspiele mit Freunden oder das Erlernen einer Fremdsprache ein dichteres und reichhaltigeres Netz von Verbindungen im Gehirn auf. Neuronen schaffen zusätzliche Wege, über die Informationen fließen können. Je vielfältiger die Verbindungen im Gehirn sind, desto größer ist die Chance, dass alternative Pfade bei ersten Schädigungen einen Teil der Aufgaben übernehmen und Symptome erst viel später auftreten.

Die Neuropsychologin vergleicht dies mit dem täglichen Weg zur Arbeit. Kennt man nur eine einzige Route und die ist plötzlich gesperrt, steht man ratlos da. Wer jedoch mehrere Alternativen kennt, wählt einfach eine andere. Ein Gehirn, das durch lebenslanges Lernen viele verschiedene Wege kennengelernt hat, kommt mit ersten Schädigungen deutlich besser zurecht.

Die Forscherin räumt ein, dass es bislang nicht möglich ist, eine genaue Norm festzulegen – etwa „dreißig Minuten täglich schützen vor Demenz“. Die Daten deuten auf etwas anderes hin: Jede weitere Portion sinnvoller Aktivität scheint einen Nutzen zu bringen, auch wenn sie klein ist. Entscheidend ist die Gewohnheit. Statt sich zu dicken Klassikerwerken zu zwingen, ist es besser, etwas zu finden, das einem wirklich Freude macht – Reportagen, Krimis, Memoiren, Sudoku, Schach oder eine Sprach-App. Je mehr Spaß es bereitet, desto größer die Chance, dabei über viele Jahre zu bleiben.

Wie die Forscherin selbst ihr Gehirn täglich schützt

Andrea Zammit hat einige einfache Regeln in ihren Alltag integriert. Sie versucht jeden Tag zumindest ein wenig zu lesen – manchmal reicht eine einzige Seite vor dem Schlafengehen. Sie verfolgt das aktuelle Geschehen in der Zeitung und führt ein Tagebuch, in das sie Gedanken und wichtige Ereignisse einträgt.

Sie hat außerdem zwei Söhne im Alter von fünf und acht Jahren. Von klein auf ermutigt sie sie zu Büchern und Spielen, die Nachdenken erfordern. Zu Hause liegen Bücher aus der Bibliothek immer in Reichweite der Kinder. Abends liest sie ihnen laut vor und beobachtet mit Freude, dass die Jungen nicht einschlafen, ohne zuvor selbst ein wenig gelesen zu haben. Am Tisch sitzt sie mit der Zeitung, während die Kinder Hausaufgaben machen – sie möchte, dass sie einen Erwachsenen sehen, der sich neugierig für die Welt interessiert. Das Wichtigste, das sie den Kindern zu vermitteln versucht, ist nicht die Lesefähigkeit selbst, sondern eine tiefe innere Überzeugung: Buch gleich Freude.

Wie man selbst das Demenzrisiko senken kann

Die Studie hat einen beobachtenden Charakter. Das bedeutet, sie belegt einen starken Zusammenhang zwischen Lebensstil und Demenzrisiko, liefert aber keine hundertprozentige Gewissheit über Ursache und Wirkung. Dennoch wiederholen sich ähnliche Empfehlungen in einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten, und Fachleute rufen zunehmend selbstbewusst zu einigen einfachen Schritten auf.

  • Lesen Sie täglich mindestens einige Seiten – ob gedrucktes Buch oder E-Reader spielt kaum eine Rolle.
  • Wählen Sie ein Denkspiel und spielen Sie es regelmäßig: Schach, Scrabble, Rummikub, Bridge oder Quizze.
  • Lernen Sie etwas Neues: eine Sprache, den Umgang mit einer neuen Software oder ein Musikinstrument.
  • Kombinieren Sie geistige Aktivität mit sozialem Kontakt – Brettspiele mit der Familie wirken besser als einsames Scrollen am Telefon.
  • Greifen Sie zu Inhalten, die Sie wirklich interessieren – Neugier treibt das Gehirn effizienter an als ein Pflichtgefühl.

Wer viel liest und sich ein Leben lang weiterbildet, verbindet dies häufig mit weiteren gesunden Gewohnheiten: mehr körperlicher Aktivität, besserer Ernährung und einer stabileren Lebenssituation. All das senkt ebenfalls das Risiko, an einer Gehirnerkrankung zu erkranken. Außerdem basieren die Ergebnisse auf Fragebögen, die auf der Erinnerung der Teilnehmer beruhten – nach Jahren kann die Einschätzung, wie viel man tatsächlich gelesen hat, etwas verzerrt sein. Trotz dieser Einschränkungen ist der Trend eindeutig: Ein nach Erkenntnis hungriges Leben geht Hand in Hand mit einer besseren kognitiven Fitness im Alter.

Was Menschen mit kleinem Budget für ihr Gehirn tun können

Nicht jeder hat einfachen Zugang zu Bibliotheken oder kostenpflichtigen Kursen. Vieles lässt sich aber ohne große Ausgaben erreichen. In vielen Städten gibt es kostenlose Seniorenclubs, Volkshochschulkurse, öffentliche Bibliotheken mit kostenlosen Leserausweisen und sogar öffentliche Treffen rund um Brettspiele.

Zu Hause kann man nutzen, was zur Hand ist: Kreuzworträtsel aus der Zeitung, Bücher aus dem Antiquariat, kostenlose Apps mit Gedächtnisübungen oder Sprachkursen. Für das Gehirn zählt Regelmäßigkeit mehr als der Luxus der jeweiligen Aktivität. Auch wenn man erst nach dem fünfzigsten oder sechzigsten Lebensjahr beginnt, kann jedes neue Buch, jedes Brettspiel oder jeder Online-Kurs ein weiterer Baustein zur kognitiven Reserve sein, aus der man künftig schöpfen wird.

Geistige Aktivität ersetzt keinen Arztbesuch, verändert aber vieles. Auch das reichste intellektuelle Leben gibt keine Garantie, niemals zu erkranken. Alzheimer hat eine starke biologische und genetische Grundlage, und das Risiko steigt mit dem Alter – unabhängig vom Lebensstil. Ein trainiertes Gehirn kann sich jedoch länger zur Wehr setzen, und die Symptome können langsamer und später auftreten. Es lohnt sich, das liebste Hobby als Investition zu betrachten – nicht nur in eine bessere Stimmung im Hier und Jetzt, sondern auch in eine größere Chance, im hohen Alter selbstständig zu bleiben. Haben Sie nicht eine Aktivität, die Ihnen Freude bereitet und gleichzeitig Ihr Gehirn in Form hält?

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

Scroll to Top