Glatteis greift an: 9 einfache Tricks, die dich vor dem Sturz schützen

Wenn der Winter zum Hindernisparcours wird

Der Winter verwandelt den ganz normalen Weg zur Arbeit schnell in einen riskanten Slalom zwischen vereisten Gehwegen und verschneiten Übergängen. Ein einziger falscher Schritt, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und schon liegst du auf dem Boden mit schmerzender Schulter oder gebrochenem Handgelenk.

Das lässt sich vermeiden, wenn du dich besser vorbereitest, als nur schnell Mantel und Schal überzuwerfen.

Bei Glatteis und festgetretenem Schnee sinkt die Reibung zwischen Schuhsohle und Untergrund nahezu auf null. Der Fuß rutscht weg, der Körper reagiert nicht schnell genug, und reflexartig strecken wir die Hände aus, um uns abzufangen. Das Ergebnis? Gequetschte Hüften, verdrehte Knöchel, gebrochene Handgelenke – manchmal sogar Kopfverletzungen. Starker Frost kombiniert mit Regen oder tauendem Schnee kann jeden Gehweg innerhalb weniger Minuten in eine Eisbahn verwandeln.

Die gute Nachricht: Viele dieser Verletzungen lassen sich durch ein paar vernünftige Gewohnheiten verhindern. Weder besondere körperliche Fitness noch teures Equipment sind nötig – eher etwas Planung und eine Verhaltensänderung auf der Straße. Forscher aus dem Bereich der Gangbiomechanik weisen darauf hin, dass die meisten Winterstürze durch eine Kombination aus ungeeignetem Schuhwerk, zu schnellem Tempo und falscher Gewichtsverteilung entstehen.

Winterschuhe, die wirklich Halt geben

Die Grundlage ist das Schuhwerk. Eine weiche, flache Sohle aus glattem Gummi verhält sich auf Eis wie ein Schlittschuh. Besser ist Schuhwerk mit ausgeprägtem Profil – idealerweise mit tiefen Stollen, die sich in Schnee und Eis eingraben. Vorteilhaft ist außerdem, wenn der Schaft über den Knöchel reicht und das Sprunggelenk stabilisiert.

Für frostempfindliche Menschen sind gefütterte Knöchelstiefel oder Schneestiefel eine gute Wahl – entscheidend ist, dass die Sohle nicht rutschig ist. Viele Menschen nutzen auch einen einfachen Haushaltstrick: Sie ziehen dicke Sportsocken über die Schuhe. Das Material sorgt für eine zusätzliche Haftschicht. Die Socken landen danach im Müll, aber das Sturzrisiko sinkt spürbar.

Orthopädische Schuhspezialisten empfehlen außerdem Winterstiefel mit rutschhemmender Zertifizierung oder eingebauten Metallspikes. Solche Modelle sind im Sporthandel erhältlich, aber auch günstigere Varianten aus Schuhketten funktionieren zuverlässig.

Frischer Schnee schlägt verstecktes Eis

Wenn möglich, lieber in frischen Schnee treten als auf ausgetretenen, glattgelaufenen Wegen gehen. Eine Oberfläche, über die bereits die halbe Nachbarschaft gelaufen ist, verwandelt sich deutlich schneller in Eis – besonders wenn es tagsüber leicht taut und abends der Frost zurückkehrt. Frischer, noch nicht festgetretener Schnee bietet in der Regel mehr Grip als eine glatte, glasartige Schneedecke.

Der Nachteil? Nasse Schuhe. Der Vorteil? Eine deutlich bessere Chance, auf eigenen Beinen nach Hause zu kommen – ohne Gipsverband. Traumatologen bestätigen, dass in den Wintermonaten die Zahl der Handgelenks- und Oberschenkelhalsfrakturen aufgrund von Stürzen auf vereisten Gehwegen deutlich ansteigt.

Die seltsame, aber wirksame „Enten-Methode“ auf Eis

Der klassische, ausholende Schritt mit kräftigem Abstoß von der Ferse funktioniert im Winter schlecht. Besser ist eine kurze, weiche „Enten-Gangart“. Die Füße werden leicht nach außen gestellt, das Gewicht wird nahezu senkrecht über dem Fuß übertragen – ohne heftiges Abstoßen.

So sieht das in der Praxis aus:

  • Mache kurze, kleine Schritte
  • Setze die Füße möglichst flach auf
  • „Gleite“ leicht über die Oberfläche, anstatt fest aufzustampfen
  • Halte die Arme seitlich, leicht ausgestreckt, um die Balance zu verbessern
  • Den Kopf heben und den Blick einige Meter nach vorne richten
  • Das Körpergewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilen
  • Plötzliche Richtungswechsel vermeiden
  • Im Zweifelsfall kurz anhalten und den Untergrund einschätzen

Von der Seite mag das etwas komisch wirken, aber der Körper ist dadurch stabiler. Kinder beherrschen diese Technik meistens blitzschnell – man muss ihnen nur sagen, sie sollen „wie ein Pinguin“ gehen. Physiotherapeuten betonen außerdem, dass die Enten-Gangart die inneren Oberschenkelmuskeln stärkt und die Gesamtkoordination verbessert.

Langsamer bedeutet sicherer

Wenn der Bus zu kommen droht, verleitet Verspätung zum Hetzen. Auf einem vereisten Gehweg ist das ein direkter Weg zum Sturz. Besser: ein paar Minuten früher aufbrechen und sich so bewegen, als würde man ein nagelneu­es Handy in der Hand halten, das man auf keinen Fall fallen lassen möchte.

Kleinere Schritte, kein Eilen und die ständige Kontrolle des Untergrunds unter den Füßen reduzieren das Risiko eines plötzlichen Ausrutschens erheblich. Hilfreich ist auch, den Blick nicht auf die Schuhspitzen zu richten, sondern etwas weiter nach vorne. So erkennt man Eisstellen, Verwehungen oder Unebenheiten früh genug und kann den Fuß entsprechend aufsetzen.

Wissenschaftler der Universität Oslo haben in einer Studie nachgewiesen, dass eine Reduktion der Gehgeschwindigkeit um nur zwanzig Prozent das Sturzrisiko auf Eis um bis zur Hälfte senken kann. Die Formel ist simpel: lieber fünf Minuten später ankommen als mit einer Gehirnerschütterung.

Rucksack statt Tasche in der Hand

Ungleich verteiltes Gewicht beeinträchtigt die Stabilität erheblich. Eine große Tasche, die über eine Schulter gehängt wird, oder eine schwere Einkaufstüte in einer Hand kann den Körper genau in dem Moment aus dem Gleichgewicht ziehen, wenn der Fuß zu rutschen beginnt. Am vernünftigsten ist es, einen Rucksack zu tragen und die Sachen darin so zu verteilen, dass nichts auf eine Seite zieht.

Ein Rucksack hat zudem den Vorteil, dass beide Hände frei bleiben – sie können beim Ausrutschen reflexartig nach Halt greifen. Sportmediziner empfehlen Rucksäcke mit Brustgurt, der das Verrutschen der Ladung verhindert und den Körper zusätzlich stabilisiert.

Hände aus den Taschen – auch bei bitterem Frost

Wenn die Finger frieren, ist der Wunsch, sie in den Jackentaschen zu vergraben, völlig verständlich. Das Problem: Damit verlierst du die natürliche Möglichkeit, dein Gleichgewicht zu halten. Der Körper kann sich nicht mit den Armen „ausbalancieren“, und bei einem plötzlichen Sturz bleibt nur die harte Landung. Die Lösung ist einfach: ordentliche, warme Handschuhe anziehen – und die Hände draußen lassen.

Auch wenn sie etwas frieren, geben sie dir die Chance, einen Sturz abzufedern. Dermatologen weisen außerdem darauf hin, dass hochwertige Winterhandschuhe die Haut vor Erfrierungen schützen, die besonders bei Temperaturen um den Gefrierpunkt entstehen, wenn Schnee zu Eis wird.

Die richtige Straßenseite und tückische Treppen

In der Stadt kann der Unterschied zwischen der einen und der anderen Straßenseite enorm sein. Flächen, die den Großteil des Tages von der Sonne beschienen werden, tauen schneller auf. Dauerhaft beschattete Stellen können dagegen tagelang vereist bleiben. Auf Treppen lohnt es sich immer, das Geländer fest zu greifen und die gesamte Schuhsohle aufzusetzen – nicht nur die Zehenspitzen.

Wenn durchschimmerndes Eis sichtbar ist, suche lieber einen anderen Weg oder weiche seitlich auf ungetretenen Schnee aus. Stadtplaner und Verkehrssicherheitsexperten raten außerdem, besonders auf Bereiche bei Bushaltestellen und Fußgängerüberwegen zu achten, wo sich viele Menschen konzentrieren und der Schnee sich rasch in eine gefährliche Eisschicht verwandelt.

Wanderstöcke – nicht nur für Senioren

Trekkingstöcke oder Nordic-Walking-Stöcke sind nicht nur für Waldwanderungen gedacht. An einem frostigen Morgen in der Stadt können sie wahre Wunder wirken. Zwei zusätzliche Auflagepunkte entlasten die Gelenke und helfen, die Balance zu halten, wenn ein Fuß wegzurutschen droht. Im Sporthandel gibt es spezielle Eisaufsätze mit kleinen Zacken.

Sie eignen sich besonders für ältere Menschen, für Personen nach Verletzungen oder mit Gleichgewichtsproblemen. Aber sie sind für jeden sinnvoll, der morgens einen längeren vereisten Gehweg überqueren muss. Renommierte Marken bieten Modelle mit Teleskopstab an, den man an die eigene Körpergröße anpassen kann.

Richtig fallen – um sich weniger zu verletzen

Selbst der bestens vorbereitete Mensch kann den Halt verlieren. Der Unterschied zwischen einer leichten Prellung und einer ernsthaften Verletzung hängt oft davon ab, wie man fällt. Es lohnt sich, den Reflex zu bekämpfen, die Arme steif nach vorne zu strecken.

Wenn du nach vorne fällst, versuche, die Arme leicht anzuwinkeln und in ein möglichst sanftes „Abrollen“ auf die Seite oder Schulter überzugehen. Steif ausgestreckte Handflächen brechen im Handgelenk sehr leicht. Zieht es dich nach hinten, ist es sicherer, auf die Gesäßmuskeln zu gleiten, als verkrampft zu versuchen, sich mit den Armen aufzufangen.

Ziehe das Kinn zur Brust, damit du nicht mit dem Hinterkopf aufschlägst, und lass den Körper so „weich“ wie möglich aufkommen. Den perfekten Sturz kann man dem Körper nicht vollständig beibringen, aber bewusstes Training der Reaktionen senkt das Risiko von Knochenbrüchen. Physiotherapeuten bieten Kurse für sicheres Fallen auch für Erwachsene an – zum Beispiel in Rehabilitationszentren.

Weitere Unterstützung: von Reflexelementen bis zum Gleichgewichtstraining

In der Dämmerung und abends kommt ein weiterer Risikofaktor hinzu: schlechte Sichtbarkeit. Es lohnt sich, Reflexelemente an der Jacke zu tragen – Fahrer nehmen dich schneller wahr, und du kannst die Verkehrssituation besser einschätzen, bevor ein Auto knapp neben dir bremst. Reflektorwesten oder -streifen bekommst du in gut sortierten Sportgeschäften.

Ein weiterer Verbündeter im Kampf gegen Stürze ist ganz alltägliche Bewegung zu Hause. Einfache Gleichgewichtsübungen – Einbeinstand am Stuhl, leichte Kniebeugen, Knieheben – stärken die tiefen Muskelgruppen und trainieren schnellere Reaktionen des Körpers. Schon wenige Minuten täglich machen einen Unterschied, besonders bei Menschen ab fünfzig.

Außerdem sollte man scheinbar nebensächliche Dinge im Blick behalten: einen Schal kürzer binden, damit er nicht unter die Füße gerät, die Jacke ordentlich schließen, damit die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird, oder das Handy in der Tasche verstauen statt in der Hand zu halten. Im Winter kann jede Kleinigkeit, die Bewegungsfreiheit und Balance verbessert, realistisch verhindern, dass ein gewöhnlicher Spaziergang in einem Notaufnahmebesuch endet. Schaffst du es, diesen Winter ohne Gips durchzukommen?

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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