Großes Denken in unsicheren Zeiten
Altbewährte Bündnisse stehen unter einem Druck, den die Welt so noch nicht erlebt hat. Staatsmänner überall suchen nach mutigen Antworten, um Sicherheit und Stabilität zu bewahren.
Auf dem Energiegipfel Eurelectric Power in Helsinki trat der finnische Präsident Alexander Stubb am Mittwoch mit einer Aussage ans Mikrofon, die sofort für Aufsehen sorgte. Er rief Politikerinnen und Politiker dazu auf, das Funktionieren der Europäischen Union grundlegend zu überdenken.
Stubb ist überzeugt: Regionale Stärke hängt unmittelbar von der physischen Größe und Reichweite eines Bündnisses ab. Die geopolitische Lage verlange seiner Meinung nach eine massive Erweiterung des Blocks.
„Ich sage, dass wir in diesem Moment im großen Maßstab denken müssen“, erklärte Stubb auf der Energiekonferenz. Seine Ambitionen reichen dabei bis zu einer Erweiterung der EU auf rund 40 Mitgliedstaaten.
Kanada als 28. Mitglied der Union?
Stubb blieb nicht bei vagen Worten stehen — er präsentierte einen konkreten und gewagten Vorschlag, der den nordamerikanischen Partner betrifft. Mit einer provokanten Frage wandte er sich direkt ans Publikum.
„Wäre es nicht großartig, wenn Kanada der 28. Staat der Europäischen Union würde, anstatt der 51. Staat der USA zu werden?“, fragte der Präsident. Diese Worte sind eine direkte Reaktion auf die wiederholten Andeutungen von Donald Trump, Kanada in die Vereinigten Staaten einzugliedern.
Erweiterung über die bisherigen Grenzen hinaus
Stubb vergaß dabei auch Europas engste Nachbarn nicht. Eines seiner vorrangigen Ziele ist die Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die europäische Gemeinschaft nach dem Brexit.
Sollte London eine vollständige Wiederaufnahme ablehnen, würde der finnische Präsident dennoch eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den britischen Verantwortlichen anstreben. Stubb hob außerdem mehrere weitere wichtige regionale Partner hervor.
Als wesentliche Bausteine dieses erweiterten Puzzles nannte er die Ukraine, die Republik Moldau und Georgien. Darüber hinaus sprach er eine historisch komplizierte Beziehung an, die viele Politiker lieber meiden.
„Wir müssen ernsthaft beginnen, über die Türkei zu diskutieren“, betonte Stubb. Er warnte, dass es aus Sicherheitsgründen absolut notwendig sei, Ankara in enger Verbindung zur EU zu halten.
Ordnung im Chaos finden
Europa steht gleichzeitig von mehreren Seiten unter Druck. Stubb wies darauf hin, dass der Kontinent aktiven Sicherheitsbedrohungen durch Russland ausgesetzt ist und zugleich starkem politischen Druck aus den Vereinigten Staaten standhält.
Damit Europa dieser Belastung gewachsen ist, muss es zunächst die eigenen Angelegenheiten in Ordnung bringen. Allerdings erinnerte der Präsident sein Publikum rasch daran, dass das europäische Projekt keineswegs eine fehlerlose Utopie ist.
Fortschritt entsteht immer durch einen mühsamen und chaotischen Prozess. Stubb beschrieb dabei ein klares historisches Muster, nach dem ein derart großer politischer Block grundlegende Probleme löst.
„Europa wird oft als perfektes System dargestellt, aber die Wahrheit ist, dass es sich stets in drei Schritten weiterentwickelt: Zuerst kommt die Krise, dann folgt das Chaos, und am Ende zeigt sich die optimale Lösung“, erläuterte der finnische Präsident.











