Warum Brustkrebs bei jungen Frauen zunimmt – Ärzte suchen nach den Ursachen

Ein beunruhigender Trend bei jungen Frauen

Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen eine alarmierende Entwicklung: Immer mehr Frauen in den Zwanzigern und Dreißigern erhalten die Diagnose Brustkrebs. Besonders auffällig ist, dass sich das Wachstumstempo nach 2016 deutlich beschleunigt hat.

Noch vor einem Jahrzehnt galt Brustkrebs vor allem als Erkrankung von Frauen über fünfzig. Heute belegen Daten amerikanischer Wissenschaftler der Washington University School of Medicine, dass Brusttumoren bei Frauen unter fünfzig schneller zunehmen als je zuvor. Den größten Anstieg verzeichneten Onkologen bei östrogenabhängigen Tumortypen – ein deutlicher Hinweis auf den Einfluss von Lebensstil und Umweltfaktoren.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Zwischen 2000 und 2016 wuchs die Brustkrebsrate bei Frauen zwischen zwanzig und neunundvierzig Jahren langsam – im Durchschnitt um 0,24 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2000 wurden etwa 64 Fälle pro hunderttausend Frauen dieser Altersgruppe erfasst, bis 2016 stieg die Zahl auf 66 Fälle. Nach 2016 schnellte die Kurve jedoch steil nach oben, mit einem jährlichen Zuwachs von fast 3,8 Prozent. Im Jahr 2019 registrierten Epidemiologen bereits 74 Fälle pro hunderttausend Frauen.

Dieser Wandel lässt sich nicht allein durch verbesserte Diagnosemethoden erklären. Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass Frauen des Geburtsjahrgangs 1990 ein um mehr als 20 Prozent höheres Risiko tragen, vor dem fünfzigsten Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen aus dem Jahrgang 1955. Ein solcher Sprung innerhalb von nur fünfunddreißig Jahren zeigt eindeutig den Einfluss von äußeren Faktoren und Lebensgewohnheiten.

Welche Tumortypen am schnellsten zunehmen

Ein zentrales Ergebnis betrifft einen ganz bestimmten Tumortyp. Am schnellsten wachsen Tumoren mit Östrogenrezeptoren – also solche, die auf weibliche Geschlechtshormone reagieren. Auf ihrer Oberfläche befinden sich molekulare „Schlösser“, in die Östrogen wie ein Schlüssel passt. Je mehr Östrogen im Körper vorhanden ist, desto rascher wachsen diese Tumoren.

Genau dieser Brustkrebstyp verzeichnet bei jungen Frauen in den letzten Jahren den stärksten Anstieg. Im gleichen Zeitraum geht die Häufigkeit östrogenunabhängiger Tumoren zurück. Diese Verschiebung im Verhältnis beider Typen hat erhebliche Bedeutung für Prävention und Behandlung.

Onkologen untersuchen Gewebeproben von Patientinnen unterschiedlichen Alters und ethnischer Herkunft, um herauszufinden, welche molekularen Signalwege bei jungen Frauen am häufigsten aktiv sind und ob sie sich von jenen älterer Patientinnen unterscheiden. Der Wandel hin zu östrogenabhängigen Tumoren legt nahe, dass Umwelt, Ernährung und Lebensstil heute deutlich intensiver mit Hormonen bei der Entstehung von Brustkrebs zusammenwirken.

Risikofaktoren bei jungen Frauen

Forscherinnen und Forscher weisen auf mehrere Faktorengruppen hin, die die Östrogenaktivität im Körper junger Frauen verstärken können. In der Regel wirken diese Einflüsse nicht einzeln, sondern gleichzeitig.

  • Bewegungsmangel – sitzende Tätigkeiten und fehlende regelmäßige körperliche Aktivität
  • Übergewicht und Adipositas – Fettgewebe produziert Östrogene; ein erhöhter Körperfettanteil nach der Pubertät steigert den Hormonspiegel im Blut
  • Späte Mutterschaft oder Kinderlosigkeit – Schwangerschaft und Stillen verändern die Hormonzyklen und gehen in den meisten Studien mit einem niedrigeren Brustkrebsrisiko einher
  • Hormonell wirksame Substanzen – Verbindungen in Kunststoffverpackungen, Kosmetika oder Lebensmitteln, die die Wirkung von Östrogenen nachahmen können
  • Alkoholkonsum – erhöht das Brustkrebsrisiko unabhängig vom Alter
  • Späte erste Menstruation und frühe Menopause – kürzere Exposition gegenüber körpereigenem Östrogen

Nicht alle dieser Faktoren sind wissenschaftlich gleich gut belegt. Immer mehr Forschungsteams untersuchen sie jedoch als Gesamtheit, weil sie im Alltag gemeinsam auf Frauen einwirken.

Schwarze Patientinnen tragen das höchste Risiko

Die Datenanalyse offenbarte deutliche Unterschiede im Erkrankungsrisiko zwischen ethnischen Gruppen. Am stärksten gefährdet sind schwarze Frauen im jungen Alter, insbesondere zwischen zwanzig und neunundzwanzig Jahren. In dieser Gruppe ist das Risiko um mehr als die Hälfte höher als bei weißen Frauen desselben Alters.

Diese Ungleichheit veranlasst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, nach Unterschieden in der Genetik, dem Zugang zur Gesundheitsversorgung, den Lebensbedingungen sowie der Belastung durch Schadstoffe zu suchen. Ziel ist es, herauszufinden, ob bei jungen schwarzen Frauen häufiger besonders aggressive Brustkrebssubtypen oder andere molekulare Mechanismen auftreten.

Einen interessanten Gegenpol bilden die Statistiken für Frauen hispanischer Herkunft. In dieser Gruppe wurde die niedrigste Brustkrebshäufigkeit aller analysierten Bevölkerungsgruppen nachgewiesen. Das könnte helfen, schützende Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten oder andere Lebensstilelemente zu identifizieren.

Onkologische Fachleute empfehlen ethnisch spezifische Früherkennungsprogramme, die unterschiedliche Risikoprofile berücksichtigen. Für schwarze Frauen wird vorgeschlagen, regelmäßige Untersuchungen in einem jüngeren Alter zu beginnen als bei weißen Frauen.

Früherkennung wirkt – hat aber gefährliche Lücken

Die Daten zeigen nicht nur Veränderungen bei der Erkrankungshäufigkeit, sondern auch beim Krankheitsstadium zum Zeitpunkt der Diagnose. Der Anteil der im ersten Stadium entdeckten Tumoren wächst – diese sind kleiner, bilden in der Regel keine Metastasen und sprechen besser auf die Behandlung an. Diagnosen im zweiten und dritten Stadium werden hingegen seltener.

Mehr im Frühstadium erkannte Tumoren deuten darauf hin, dass Vorsorgeuntersuchungen und das Bewusstsein für das eigene Risiko tatsächlich wirken. Gleichzeitig verzeichneten Onkologen eine besorgniserregende Ausnahme: Einige frühe Tumorveränderungen werden nicht rechtzeitig erkannt und kehren bereits als fortgeschrittenes viertes Stadium in die Praxen zurück.

Bei jungen Frauen ist das Brustgewebe häufig dichter, was die Auswertung von Mammografien erschwert. Deshalb gewinnen Brustultraschall, Magnetresonanztomographie und individuelle Risikobewertung an Bedeutung – besonders bei Frauen mit familiärer Vorbelastung oder Mutationen in Genen wie BRCA1 und BRCA2.

Radiologen aus mehreren europäischen Zentren testen kombinierte Protokolle, die bei Frauen unter vierzig Jahren mit dichtem Brustgewebe Mammografie und Ultraschall verbinden. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Kombination beider Methoden bis zu 30 Prozent mehr kleine Tumoren entdeckt als die Mammografie allein.

Was du heute für deine Vorsorge tun kannst

Expertinnen und Experten empfehlen, sich nicht erst ab fünfzig um die Brustgesundheit zu kümmern. Regelmäßige Selbstuntersuchungen der Brust und der Haut rund um die Brustwarzen – besonders nach der Menstruation – sind ein wichtiger erster Schritt. Einmal jährlich sollte eine tastende Untersuchung durch einen Gynäkologen oder eine Allgemeinmedizinerin erfolgen.

Kenne die Tumorerkrankungen in deiner Familie und teile diese Information deiner Ärztin oder deinem Arzt mit. Achte auf ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung und einen eingeschränkten Alkoholkonsum. Bei verdächtigen Symptomen wie einem tastbaren Knoten, Ausfluss aus der Brustwarze oder eingezogener Haut sollte der Arztbesuch nicht aufgeschoben werden.

Studien zeigen, dass Mädchen, die zwischen dem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr regelmäßig Sport trieben, im Erwachsenenalter ein um 20 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko haben als Gleichaltrige ohne sportliche Aktivität. Bewegung beeinflusst das Hormionprofil und hilft dabei, ein gesundes Körpergewicht zu halten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen zudem den Einfluss von stark verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker, rotem Fleisch und Pestiziden. Ziel ist es, Präventionsprogramme zu entwickeln, die auf das jeweilige Lebensalter zugeschnitten sind – denn ein Teenager benötigt andere Unterstützung als eine dreißigjährige Frau mit Kinderwunsch oder eine Vierzigjährige mit familiärer Vorbelastung.

Der Anstieg der Erkrankungszahlen bedeutet nicht, dass jede junge Frau an Brustkrebs erkranken wird. Statistiken beschreiben Wahrscheinlichkeiten in der Gesamtbevölkerung, kein persönliches Schicksal. Der kluge Umgang damit besteht darin, die eigenen Risikofaktoren zu kennen, Prävention dort anzusetzen, wo man selbst Einfluss hat, und Vorsorgeuntersuchungen dann zu nutzen, wenn sie sinnvoll sind. Kümmerst du dich schon heute um deine Gesundheit – oder wartest du noch?

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

Scroll to Top