Geleakte Kreml-Karten enthüllen, wie Generäle Putin in die Irre führen

Ein Krieg der Täuschungen – aber gegen wen?

Ein altes Sprichwort besagt: Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Das klingt vertraut – und hat seinen Grund. Täuschung gehört seit jeher zum Kernhandwerk militärischer Strategie.

Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist Operation Fortitude, mit der die Alliierten Nazi-Deutschland glauben ließen, die D-Day-Landung würde bei Pas-de-Calais stattfinden – statt im tatsächlich gewählten Normandie.

Doch normalerweise richtet sich diese Art von Irreführung gegen den Feind. Nicht gegen die eigene Führungsspitze. Genau das aber scheint das russische Militärkommando gegenüber Wladimir Putin zu betreiben.

Gefälschte Erfolgsmeldungen

Laut dem Institute for the Study of War (ISW) hat Russlands Präsident Wladimir Putin höchstwahrscheinlich ein vollständig verzerrtes Bild von den militärischen Erfolgen seines Landes in der Ukraine entwickelt. Diese Fehlwahrnehmung entsteht, weil das russische Militär stark übertriebene – wenn nicht schlicht falsche – Lageberichte vom Schlachtfeld liefert.

Konkret wurde das Problem am 28. Mai sichtbar. Ein ukrainischer Open-Source-Kartograf veröffentlichte eine geleakte Karte des russischen Verteidigungsministeriums. Das auf den 9. April datierte Dokument zeigt die Frontlinie im westlichen Gebiet Saporischschja. Experten halten es für authentisch.

Die Karte behauptet, russische Streitkräfte hätten ein Dutzend ukrainische Städte eingenommen und seien in das strategisch bedeutsame Gebiet Orichiv vorgedrungen. Generalstabschef Waleri Gerasimow bestätigte diese Angaben am 21. April öffentlich.

Unabhängige Beobachter fanden dafür jedoch keinerlei Belege. Im Gegenteil: Auswertungen zeigten, dass russische Einheiten noch immer viele Kilometer von ihren Hauptzielen entfernt waren.

Wachsender Rückstand zur Realität

Das ISW betont, dass diese gefälschten Berichte Putin ein grundlegend falsches Bild von der tatsächlichen Kampfkraft seiner Armee vermitteln.

Berichten zufolge glaubt Putin, seine Streitkräfte könnten die gesamten Regionen Donezk und Luhansk bis Herbst 2026 einnehmen. Die Lage vor Ort zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild.

Das ISW stellte fest, dass Russlands Vormarschgeschwindigkeit im Jahr 2026 drastisch gesunken ist – verglichen mit dem Vorjahr. Derzeit gewinnen russische Truppen in der Donezk-Region lediglich 2,63 Quadratkilometer pro Tag. Bei diesem Tempo ist ein rascher Sieg schlicht unrealistisch.

Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen Jahresbeginn und dem 26. Mai eroberten russische Truppen nur 104 Quadratkilometer in der Ukraine. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 1.619 Quadratkilometer – ein massiver Einbruch.

Eine ISW-Auswertung vom 2. Mai 2026 ergab zudem, dass Putins Streitkräfte im April sogar die Kontrolle über rund 116 Quadratkilometer verloren hatten, nachdem sie im März nur 23 Quadratkilometer gewonnen hatten.

Strategie mit gefährlichen Folgen

Indem das Militärkommando dem Präsidenten übertrieben optimistische Karten vorlegt, verschleiert es offenbar den dramatischen Rückgang der eigenen Kampffähigkeit. Die Strategie hält den Kremlchef bei guter Stimmung – hält ihn aber gleichzeitig in tiefer Unkenntnis über die wahre Lage.

Ob und wie sich diese systematische Fehlinformation auf Russlands Kriegsstrategie auswirkt, bleibt eine der drängendsten Fragen dieses Konflikts.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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