Das Massaker an Deutschen in Postoloprty haben wir uns bis heute nicht eingestanden, sagt der Regisseur des neuen Dokumentarfilms

Ein Thema, das Tschechien bis heute nicht offen benennen will

Es gibt historische Ereignisse, über die schlicht nicht gesprochen wird. Postoloprty gehört genau zu solchen Orten — und der Regisseur eines neuen Dokumentarfilms bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: Das Massaker an deutschen Zivilisten, das dort nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand, haben wir als Gesellschaft bis heute nicht wirklich anerkannt.

Es handelt sich dabei nicht um eine vergessene Episode. Es ist ein bewusstes Schweigen, das seit Jahrzehnten anhält.

Was geschah in Postoloprty?

Nach Kriegsende im Jahr 1945 wurde Postoloprty zum Schauplatz eines der blutigsten Ereignisse der sogenannten wilden Vertreibung. Tschechen ermordeten dort Hunderte Sudetendeutsche — Männer, Frauen und alte Menschen. Die Leichen wurden in Massengräbern verscharrt.

Unter Historikern ist dieser Fall bekannt. Dennoch bleibt er am Rand der öffentlichen Debatte, gehüllt in ein Schweigen, das viele für bequemer halten als die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit.

Der Regisseur: „Es ist immer noch ein Tabu“

Der Dokumentarfilmer, der sich diesem Thema gewidmet hat, wählt seine Worte mit Bedacht — und macht dabei keinen Hehl aus seiner Schlussfolgerung. Nach seiner Einschätzung weiß die tschechische Gesellschaft zwar, dass etwas geschehen ist, weigert sich aber, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, was genau passierte und warum.

„Es ist immer noch ein Tabu“, sagt der Regisseur. Der neue Dokumentarfilm hat das Ziel, diesen Zustand zu verändern — oder zumindest das bequeme Schweigen rund um eines der dunkelsten Kapitel der tschechischen Nachkriegsgeschichte aufzubrechen.

Warum das auch heute noch von Bedeutung ist

Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist keine reine Angelegenheit für Historiker. Es geht um nationale Integrität und die Fähigkeit, die eigene Geschichte ohne Beschönigung zu betrachten. Die deutsche Seite hat ihren Anteil an der Schuld für den Krieg eingestanden — die tschechische Auseinandersetzung mit der Nachkriegsgewalt an Deutschen hingegen bleibt unvollendet.

Postoloprty ist keine Ausnahme. Es ist ein Symbol. Und genau deshalb ist der neue Dokumentarfilm mehr als nur ein Film — er ist eine Einladung zu einem Gespräch, das in Tschechien noch immer aufgeschoben wird.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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