Italienische Gemeinde zahlt bis zu 20.000 Euro für den Umzug. Es gibt einen Haken

Eine kleine Gemeinde auf Sardinien kämpft gegen das Aussterben

Im Herzen Sardiniens hat eine kleine Ortschaft einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um dem schleichenden Bevölkerungsschwund entgegenzuwirken. Die Gemeindeverwaltung bietet Neuankömmlingen bis zu 20.000 Euro, wenn sie sich dauerhaft niederlassen und in eine Immobilie investieren.

Das Förderprogramm soll ab 2026 vollständig anlaufen und zieht bereits jetzt Menschen an, die vom ruhigeren Leben unter südlicher Sonne träumen. Doch wer profitieren möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Ollolai – Bergdorf mit großem Angebot

Die Rede ist von Ollolai, einem kleinen Ort im gebirgigen Inneren Sardiniens, in der Region Barbagia. Heute leben dort noch rund 1.100 Menschen – und es werden stetig weniger. Junge Leute zogen in die Städte, ältere Generationen verstarben, und unzählige Häuser stehen leer.

Die örtlichen Behörden erkannten: Ohne entschlossenes Handeln wird die Gemeinde schlicht von der Landkarte verschwinden. Statt dem langsamen Niedergang tatenlos zuzusehen, entwickelten sie ein Finanzprogramm, das neue Bewohner anziehen soll – Familien mit Kindern, Freiberufler, Rentner und alle, die bereit sind, sich wirklich fest zu verwurzeln.

Wie funktioniert das Förderprogramm genau?

Die Gemeindeverwaltung zahlt bis zu 20.000 Euro an Personen, die ihren Lebensmittelpunkt nach Ollolai verlagern, ein Haus kaufen oder renovieren und sich tatsächlich dauerhaft ansiedeln. Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Wer umzieht, in eine Immobilie investiert und bleibt, bekommt einen finanziellen Zuschuss aus dem Gemeindehaushalt.

Die Mittel sollen vor allem bei der Sanierung oder dem Ausbau eines Hauses helfen – oder beim Start eines neuen Lebensabschnitts, etwa der Gründung eines kleinen Betriebs oder der Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes. Die genaue Förderhöhe hängt vom jeweiligen Projekt und der Erfüllung aller Bedingungen ab.

Es handelt sich dabei nicht um Bargeld ohne jede Kontrolle. Interessenten müssen einen konkreten Plan vorlegen, sich zur Gemeinde bekennen und die Ausgaben nachweisen. Ollolai sucht keine Touristen oder Investoren, die ein Haus kaufen und es den Großteil des Jahres leer stehen lassen. Das Programm richtet sich ausschließlich an Menschen, die dort wirklich leben wollen.

Die wichtigsten Bedingungen des Programms im Überblick

Wer die Förderung beantragen möchte, muss nachweisen, dass er echte Teil der Gemeinschaft werden will – keine kurzfristige Investition plant. Die konkreten Anforderungen umfassen unter anderem:

  • Verpflichtung, für eine festgelegte Mindestanzahl von Jahren in der Gemeinde zu wohnen
  • Kauf einer Immobilie oder Abschluss eines langfristigen Mietvertrags mit ernsthafter Niederlassungsabsicht
  • Verwendung der Fördermittel für Renovierung, Wiederherstellung oder Umbau des Wohngebäudes
  • Einhaltung bestimmter Fristen, etwa für den Abschluss von Sanierungsarbeiten
  • Einreichung eines detaillierten Plans zur Verwendung der finanziellen Unterstützung
  • Anmeldung beim zuständigen Gemeindeamt und Erfüllung administrativer Voraussetzungen
  • Nachweis eigener finanzieller Mittel zur Kofinanzierung des Projekts
  • Bereitschaft, aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen

Im Gegenzug erhalten neue Bewohner nicht nur den Geldzuschuss, sondern auch Zugang zu vergleichsweise günstigen Immobilien. Laut den Programmangaben liegen die Preise für ganze Wohngebäude häufig zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Die Miete ist noch erschwinglicher: Etwa 400 Euro monatlich für ein Haus oder eine Wohnung.

Für viele Menschen, die remote arbeiten, klingt das deutlich attraktiver als Mieten in Großstädten. Günstige Immobilienpreise kombiniert mit dem Gemeindezuschuss machen ein eigenes Haus im sonnigen Italien manchmal sogar günstiger als eine Wohnung in einer mittelgroßen deutschen Stadt.

Wie lebt es sich in Ollolai und auf Sardinien?

Ollolai liegt weit entfernt von touristischen Hochburgen. Es ist das authentische, bergige Sardinien – mit engen gepflasterten Gassen, steinernen Häusern und dem Blick auf raue, grüne Hügel. Statt lauter Nächte erwarten einen ruhige Abende, lokale Feste und ein Leben, das sich um den Dorfplatz, die Kirche und kleine Läden dreht.

Die Region Barbagia ist bekannt für ihre tief verwurzelten Traditionen. Handwerker fertigen hier noch immer von Hand Textilien, Keramik und Masken für traditionelle Feste. Kleidung und Erzeugnisse werden von Generation zu Generation weitergegeben. Für viele Neubürger ist genau das der größte Reiz – in einen Lebensrhythmus einzutauchen, der nicht blind jedem neuen Trend hinterherläuft.

Hinzu kommt die Küche. Sardinien gilt als eine jener Regionen, in denen die Menschen besonders alt werden. Einer der Gründe dafür ist die Ernährungsweise: lokale Käsesorten, frisches Gemüse, Olivenöl, Brot aus kleinen Bäckereien und Wein von kleinen Weingütern. In Ollolai kauft man Produkte beim Nachbarn – nicht im Großsupermarkt.

Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind deutlich niedriger als in großen italienischen Städten. Das betrifft nicht nur das Wohnen, sondern auch viele Dienstleistungen und Alltagseinkäufe. Kein Wunder, dass solche Programme Menschen ansprechen, die ortsunabhängig arbeiten – Programmierer, Grafiker, Berater, Online-Marketing-Spezialisten – ebenso wie Rentner, die aus teuren Hauptstädten wegziehen möchten.

Warum setzt Italien auf solche Förderprogramme?

Das Problem der Entvölkerung betrifft einen Großteil Italiens. Jahrzehntelang zogen Menschen in Großstädte oder ins Ausland. Dorfschulen schlossen, Geschäfte gingen pleite, öffentliche Verkehrsmittel verschwanden und ganze Gemeinden verloren ihre Daseinsberechtigung.

Für die Kommunen ist der Umzugszuschuss eine Investition, kein Kostenfaktor. Jede neue Familie erhöht die Chance, eine Schule, einen Arzt, eine Post oder das örtliche Café zu erhalten. Davon profitieren auch Besitzer leerstehender Häuser, die nach Jahren des Verfalls wieder zu neuem Leben erwachen. Am Ende gehen Bewerbungen aus ganz Europa und sogar von anderen Kontinenten ein.

Ein altes, verfallendes Gebäude, das mithilfe des Programms saniert wird, kann zur Pension, zum Familienheim oder zum Sitz eines kleinen Unternehmens werden. Demografieexperten bestätigen, dass solche Initiativen ganze Regionen vor dem vollständigen Niedergang bewahren können. Forscher der Universitäten in Cagliari und Sassari haben die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen ähnlicher Programme in abgelegenen Teilen Sardiniens dokumentiert.

So plant man den Umzug nach Ollolai im Jahr 2026

Wer über eine Teilnahme am Programm nachdenkt, sollte zunächst vor Ort einen Besuch einplanen. Ein Aufenthalt von mindestens einer bis zwei Wochen ist sinnvoll – um die Umgebung zu erkunden, das Leben außerhalb der Touristensaison zu erleben, mit Einwohnern zu sprechen und Kontakt zu den Gemeindebeamten aufzunehmen.

Im nächsten Schritt sollten die bürokratischen Formalitäten geprüft werden. EU-Bürger haben das Recht, sich in Italien niederzulassen, müssen jedoch einige Pflichten erfüllen: sich beim Einwohnermeldeamt anmelden, steuerliche Angelegenheiten regeln, den Aufenthalt nach einer bestimmten Frist registrieren und eine Krankenversicherung abschließen. Die Bewerbung für das Förderprogramm beinhaltet in der Regel die Einreichung eines Sanierungsplans und einer Kostenkalkulation.

Die Sprachfrage sollte dabei nicht unterschätzt werden. Auch wenn einige Einwohner Englisch sprechen, entstehen echte Beziehungen nur über die italienische Sprache. Sie ermöglicht es, schneller Teil der Gemeinschaft zu werden, die Gepflogenheiten zu verstehen und an Festen oder Nachbarschaftstreffen teilzunehmen. Ein Online-Kurs vor der Abreise in Kombination mit dem Lernen vor Ort ist eine vernünftige Herangehensweise.

Für viele Menschen geht die Rechnung am Ende auf. Sie gewinnen etwas, das kein noch so hohes Gehalt in einem Konzern bieten kann: Zeit. Zeit für Kinder, den Garten, eine Wanderung durch die Berge oder ein langes Abendessen mit den Nachbarn. Das Programm in Ollolai ist ein Angebot genau für jene, die sich zu fragen begonnen haben, wie viel ihr aktuelles Leben eigentlich kostet – und ob sich dieser Preis nicht senken lässt, während man gleichzeitig einen völlig neuen Alltag gewinnt.

Author

  • Marie zählt zu Deutschlands bekanntesten Gartenbloggerinnen. Aufgewachsen in einem Vorort, zog sie bewusst aufs Land, um sich dort einen autarken Gemüsegarten anzulegen. Marie zeigt anderen, wie sie sich das ganze Jahr über mit frischem Gemüse versorgen können, ohne ihre gesamte Freizeit im Garten zu verbringen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer Bestseller zum Thema Garten.

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